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70. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
03.-04.04.2025
Münster


Meeting Abstract

Die digitale Gesundheitsanwendung zur Behandlung von male LUTS: Ergebnisse der BEST-Studie zur Wirksamkeit von Kranus Lutera

Sandra Schönburg 1,2
Christian Gratzke 3
Sven Eger 2
Katharina Raude 2,4
Markus Grabbert 3
Sophie Astheimer 3
Jan Halbich 3
Dirko Hercher 5
Waseem Mousa 6
Ralph Raschke 7
Bastian Keck 8
Oleg Krivov 9
Erik Krieger 10
Kurt Miller 10,11
Laura Wiemer 10,11
1BG Klinikum Bergmannstrost, Neuro-Urologie, Halle, Deutschland
2Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie und Nierentransplantation, Halle, Deutschland
3Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Urologie, Freiburg, Deutschland
4Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Urologische Klinik, Herne, Deutschland
5Urologisches Zentrum Refrath, Bergisch Gladbach, Deutschland
6Montamedicum, Montabaur, Deutschland
7Urologische Praxis, Teltow, Deutschland
8Urologische Praxis, Erlangen, Deutschland
9Urologische Praxis, Bruchsal, Deutschland
10Kranus Health GmbH, München, Deutschland
11Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Einleitung: LUTS stellen ein häufiges Gesundheitsproblem bei Männern dar, oft verbunden mit einer verminderten Lebensqualität. Besonders belastend sind der imperative Harndrang und die Nykturie. In den aktuellen Leitlinien werden Änderungen des Lebensstils und konservative Interventionen als Erstmaßnahmen zur Behandlung von male LUTS empfohlen. In der Versorgungsrealität zeigt sich jedoch eine Lücke bei der Umsetzung dieser Empfehlungen. Die BEST-Studie untersuchte daher die Wirksamkeit eines App-basierten Therapieprogramms, das die in den Leitlinien empfohlenen konservativen Maßnahmen zur Behandlung von LUTS integriert.

Methode: In dieser prospektiven randomisierten, kontrollierten Studie wurden Männer mit LUTS (Diagnose BPH/OAB) im Verhältnis 1:1 entweder einer Interventionsgruppe, die neben der üblichen medizinischen Versorgung auch eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA Kranus Lutera) erhielt, oder einer Kontrollgruppe, die allein die übliche medizinische Versorgung erhielt, zugewiesen. Neben validierten Fragebögen (IPSS, OAB-q-SF) wurden Daten anhand eines Miktionstagebuchs erfasst. Das App-basierte Programm umfasst Interventionen wie Beckenbodentraining, Verhaltenstherapien zur Kontrolle des Harndrangs und Entspannungstechniken.

Ergebnisse: In der Studie wurden 237 Patienten randomisiert. Im Vergleich zeigte die Interventionsgruppe eine signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung des primären Endpunktes IPSS, mit einer Verringerung um -7,0 Punkte (95% KI: -8,1 bis -5,9, p<0,0001). Auch die sekundären Endpunkte verbesserten sich signifikant: OAB-q-SF Teil 1 (Symptomschwere) -18,6 Punkte (95% KI: -22,2 bis -15,0, p<0,0001), Teil 2 (gesundheitsbezogene Lebensqualität) +17,2 Punkte (95% KI: 14,2 bis 20,1, p<0,0001). Beide Untergruppen, BPH und OAB, profitierten von der Intervention. Es wurden keine relevanten behandlungsbedingten Nebenwirkungen beobachtet.

Schlussfolgerung: Dies ist die erste randomisierte, kontrollierte Studie, die einen signifikanten und klinisch relevanten Nutzen für Patienten mit LUTS durch die Verwendung von App-basierten Therapien nachweist. Sowohl die Symptome als auch die Lebensqualität verbesserten sich signifikant. Die Ergebnisse dieser RCT führten zur Listung von Kranus Lutera als DiGA im BfArM-Verzeichnis, wodurch diese nun die zweite urologische DiGA darstellt (diga.bfarm.de). Diese Studie belegt den Wert der DiGA als integralen Bestandteil der Standardversorgung von Patienten mit LUTS.