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Jahrestagung Kinderurologie 2026


16.-17.01.2026
Mainz

Meeting Abstract

Wenn Hufgetrappel in Europa doch ein Zebra ist!

Claudia Tautz - Helios Klinikum Duisburg, Kinderurologie, Duisburg, Deutschland
Iris Rübben - Helios Klinikum Duisburg, Kinderurologie, Duisburg, Deutschland
Udo Vester - Helios Klinikum Duisburg, Kinderurologie, Duisburg, Deutschland

Text

Einleitung: Harnverhalte im Kleinkindalter stellen sowohl für die Patienten als auch für deren Angehörige und Behandler eine herausfordernde Akutsituation dar. Rezidivierende Miktionsprobleme und Harnverhalte erfordern fundierte Kenntnisse über eine Vielzahl von Differentialdiagnosen, um die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren und die entsprechende Behandlung einzuleiten.

Fallbericht: Dieser Fall beschreibt einen zweieinhalbjährigen Jungen, der mit akutem Harnverhalt vorgestellt wird. Im Verlauf der letzten sechs Monate traten insgesamt zehn Episoden von Harnverhalten auf. Die körperliche Untersuchung sowie die Sonographie zeigen abgesehen von einer prall gefüllten Harnblase keine weiteren Auffälligkeiten. Eine psychogene Harnverhaltung wird als weitere Differentialdiagnose in Betracht gezogen. Nach der Entlastung der Blase zeigt sich jedoch eine wesentliche Veränderung im Sonografiebild. Vom Blasenboden bzw. der Urethra ragt eine gestielte, etwa 1,5 cm große, runde, echohomogene und glatt begrenzte Raumforderung in das Harnblasenlumen. Urethrozystoskopisch lässt sich ein großer Polyp bestätigen, der gestielt zwischen dem Colliculus seminalis und dem Blasenhals entspringt. Der Polyp ragt weit in die Blase hinein und ist aufgrund seiner Größe mit Kinderresektionsschlingen nicht resektabel. Daher wird ein zentraler, offen chirurgischer Zugang bei dieser Raumforderung erwogen. Die Histopathologie ergibt die Diagnose eines fibroepithelialen Polypen der Urethra.

Diskussion: Fibroepitheliale Polypen der Urethra sollten bei Kleinkindern mit rezidivierenden Miktionsbeschwerden und Harnverhaltung immer in die Differentialdiagnose aufgenommen werden. Der vorliegende Fall verdeutlicht, dass bei einer prall gefüllten Blase und einem versenkten Polypen in der Urethra, eine solche Diagnose leicht übersehen werden kann. Während die Literatur die transurethrale Resektion des Polypen als Therapie der Wahl beschreibt, bleibt die Frage, ob bei sehr großen und breitbasigen Befunden nicht auch der offene Zugangsweg gerechtfertigt ist. Zudem wird in der Literatur eine Resektion unter Zuhilfenahme einer Koloskopieschlinge als mögliche Behandlungsoption beschrieben.


Literatur

[1] Ernst M, Khouri TE, Fung B, Dajusta D. Prostatic polyp presenting in a young boy with urinary symptoms. Urology Case Reports. 2022;40:101903.
[2] Demircan M, Ceran C, Karaman A, Uguralp S, Mizarek B. Urethral Polyps in Children; a rewiew of the literature and report of two cases. Int J Urol. 2006;13(6):841-843.