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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Mit einem partizipativen Forschungsansatz gemeinsam zu einer besseren Versorgung von kardiovaskulären Erkrankungen in Bolivien

Janina Zirkel - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland; Universitätsklinikum Würzburg, Abteilung für Infektiologie, Medizinische Klinik II, Würzburg, Deutschland
Sandra Parisi - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland; Hochschule Fulda, Fachbereich Gesundheitswissenschaften, Fulda, Deutschland
Boris Apodaca Michel - Hospital Dermatológico de Monteagudo, Monteagudo, Bolivien
Claudia Patricia Saavedra Irala - Hospital Dermatológico de Monteagudo, Monteagudo, Bolivien
Miriam Müller - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Fächerverbund für Infektiologie, Pneumologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland
Thomas Zoller - Charité – Universitätsmedizin Berlin, Fächerverbund für Infektiologie, Pneumologie und Intensivmedizin, Berlin, Deutschland
Martin Koch - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Ildikó Gágyor - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen eine zentrale Herausforderung in der Primärversorgung dar, insbesondere in ressourcenlimitierten ländlichen Regionen. In Chagas-Endemiegebieten entsteht zusätzlich eine doppelte Krankheitslast durch infektiöse und nichtübertragbare Erkrankungen. Partizipative Ansätze wie Participatory Action Research (PAR) ermöglichen die kontextspezifische Analyse von Versorgungsdefiziten und die Entwicklung lokal priorisierter Interventionen. Durch die Einbindung von Teilnehmenden als Co-Wissenschaftler:innen werden Praxisnähe, wissenschaftlicher Erkenntnisse und Gesundheitskompetenz gestärkt.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel war es, die kardiovaskuläre Krankheitslast und Versorgungssituation im Chagas Endemiegebiet Monteagudo (Bolivien) zu erfassen und darauf aufbauend gemeinsam prioritäre Handlungsfelder zu identifizieren sowie erste Interventionen zu initiieren.

Material & Methoden: Im partizipativen Mixed-Methods-Design wurden strukturierte Interviews in 10% der Haushalte (n = 485, Auswahl randomisiert), eine Vollerhebung aller Gesundheitszentren (n = 18) sowie leitfadengestützte Interviews mit Betroffenen, Versorgenden und Entscheidungstragenden durchgeführt. Ein lokales, diverses Forschungsteam war in alle Phasen eingebunden. Quantitative und qualitative Daten wurden getrennt analysiert, trianguliert und in partizipativen Workshops gemeinsam validiert und priorisiert.

Ergebnisse: Es zeigte sich u.a. eine erhöhte kardiovaskuläre Risikobelastung mit 18% der Teilnehmenden im Hochrisikobereich gemäß BMI-basiertem Framingham Risk Score sowie strukturelle Versorgungsdefizite u.a. in der Verfügbarkeit kardiovaskulärer Medikation. Zentrale Versorgungsprobleme wurden in Workshops validiert und kontextualisiert. Daraus wurden prioritäre Handlungsfelder abgeleitet und erste Pilotmaßnahmen (Verbesserung der Medikamentenverfügbarkeit und des Hypertoniemanagements) initiiert.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen eine im Vergleich zur Literatur erhöhte kardiovaskuläre Risikobelastung und unterstreichen die Bedeutung einer gestärkten Primärversorgung. Die Interpretation ist durch die Verwendung des BMI-basierten Framingham Risk Score zu relativieren. PAR ermöglichte ein tieferes Verständnis lokaler Versorgungsrealitäten sowie eine kontextsensitive Priorisierung und förderte die Entwicklung umsetzbarer Maßnahmen.

Take Home Message für die Praxis: Participatory Action Research unterstützt die bedarfsorientierte Weiterentwicklung der Primärversorgung durch Einbindung der Bevölkerung und ist auf unterschiedliche Versorgungskontexte übertragbar.

Interessenkonflikte: M. J. Koch, T. Zoller, M. Müller, J. Zirkel und S. Parisi sind Mitglieder der German Alliance for Global Health Research (GLOHRA). Die Studie ist Teil des Projekts „Corazón en acción“ und wurde durch das Förderprogramm „Klinikpartnerschaften“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) finanziert. Die Förderinstitution hatte keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenauswertung oder Interpretation der Ergebnisse. Es bestehen keine weiteren Interessenkonflikte.