Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Jugendsexualität und Sexualaufklärung von LSBTIQ* Personen

Emmie Mika Stemmer - Hochschule Merseburg, Angewandte Sexualwissenschaft, Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur, Merseburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Um die sexuelle und reproduktive Gesundheit besonders vulnerabler Gruppen zu gewährleisten, braucht es sowohl passende Angebote der Sexuellen Bildung und Gesundheitsversorgung als auch differenzierte Forschung zu ihren spezifischen Bedarfen. Für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter* und queere (LSBTIQ*) Jugendliche bestehen bislang deutliche Forschungslücken, insbesondere hinsichtlich ihrer sexuellen und romantischen Sozialisation sowie ihrer Erfahrungen mit Sexualaufklärung.

Zielsetzung: Die explorative Studie „Jugendsexualität und Sexualaufklärung von LSBTIQ* Personen (JuSeQs)“ (Hochschule Merseburg, 2024–2027) zielt darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen, indem sie Bedarfe junger LSBTIQ* Personen im Bereich Sexualaufklärung sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit untersucht. Der Beitrag präsentiert erste Ergebnisse und diskutiert Implikationen für Bildungs- und Unterstützungsangebote.

Methodik: Die Studie kombiniert qualitative und quantitative Ansätze. Es werden einerseits n = 40 leitfadengestützte Interviews mit LSBTIQ* Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgt in zwei Phasen mit jeweils etwa 20 Interviews: (1) Fokus auf schwer erreichbare und bislang unterrepräsentierte Gruppen (u. a. BIPoC, inter*, transfeminine Personen, Personen mit Klassismuserfahrungen sowie mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen) und (2) gezielte Rekrutierung weiterer queerer Jugendlicher auf Basis erster Auswertungen. Die Auswertung der Interviews erfolgt mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2024). Andererseits wurde eine quantitative Online-Befragung unter Fachpersonen der externen schulbezogenen Bildungsarbeit durchgeführt, bei der univariate und bivariate Zusammenhänge mit SPSS ausgewertet werden.

Ergebnisse: Der Beitrag basiert auf ersten Auswertungen der qualitativen Interviews aus der Erhebungsphase 1. Die Ergebnisse der bislang ausgewerteten Interviews zeigen, dass schulische Sexualaufklärung überwiegend als cis-heteronormativ und reproduktionszentriert wahrgenommen wird, während queerspezifische Inhalte kaum berücksichtigt werden. Sexuelle Bildung verlagert sich häufig in digitale und außerinstitutionelle Kontexte. Weitere Analysen deuten auf relevante Themenfelder wie Grenzverletzungen sowie sexuelle und reproduktive Gesundheit hin, die wichtige Hinweise auf Versorgungszugänge und bestehende Bedarfe liefern.

Diskussion: Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an inklusiveren und zielgruppenspezifischen Konzepten der Sexuellen Bildung und Gesundheitsversorgung. Insbesondere marginalisierte Gruppen innerhalb der LSBTIQ* Community werden bislang unzureichend berücksichtigt. Die Studie liefert empirische Grundlagen, um bestehende Angebote weiterzuentwickeln und Fachkräfte stärker für die vielfältigen Lebensrealitäten junger LSBTIQ* Personen zu sensibilisieren.

Interessenkonflikte: Keine