Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Die neue hochschuldidaktische Herausforderung: das Problem ist nicht die KI, sondern die Bedeutung von Sprache

Dominikus Herzberg - Technische Hochschule Mittelhessen, Fachbereich Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, Deutschland

Text

Inhalt: Mit generativer KI und den daraus hervorgegangenen Sprachmaschinen ist eine Situation entstanden, in der sich die Hochschulen und ihre Mitglieder anscheinend dem Schicksal ergeben haben: Angesichts der Allgegenwart sowie der offensichtlichen Leistungsfähigkeit und Nützlichkeit von Sprachmaschinen sucht man allerorts nach Möglichkeiten und Wegen, diese Maschinen nicht nur in die Lehre zu integrieren, sondern sie auch als Lerncoaches für Studierende, als Kurshilfen für Lehrende und als Forschungsassistenten für Forschende zu etablieren.

Dabei gibt es neue Beobachtungen zu machen, die zu denken geben: Es kommt zu Verstummungs- und Vereinzelungstendenzen im Hörsaal, Dissoziationserfahrungen beim Lernen und zu Substitutionshandeln bei Prüfungsleistungen. Und kognitives Offloading scheint beim Gebrauch von Sprachmaschinen fast unvermeidbar. Wie lernt der Mensch unter diesen Bedingungen noch etwas?

Die These des Beitrags ist: Das Problem ist weniger die KI-Technologie an sich als vielmehr die ihr zugewachsene Ermächtigung durch Sprache – eben weil es Sprache ist. Die Hochschullehre muss sich radikal neuen Fragen stellen, die das Humane, Soziale, Gesellschaftliche und Kulturelle weitreichend berühren und auch wissenschaftstheoretisch sowie wissenschaftsdidaktisch beantwortet werden müssen: Welches Verhältnis haben Menschen zur Sprache? Welche Bedeutung hat Sprache in und für die jeweilige Wissenschaft? Oder, weiter heruntergebrochen: Welche Bedeutung hat Sprache für die konkrete Lehrveranstaltung? Soll Sprache eigene Lernerfahrungen ermöglichen und transportieren – oder was tritt an ihre Stelle? Was ist die Aufgabe von Bildung, und welche Rolle spielt dabei das Vermögen, mit Sprache umgehen und sich in ihr ausdrücken zu können? Und, ganz pragmatisch gefragt: Wie lassen sich die oben angedeuteten negativen Effekte des Einflusses von Sprachmaschinen vermeiden? Wenn das nicht möglich ist: Welchen Preis bezahlen wir dafür?

Der Beitrag möchte dazu anregen, Hochschullehre im Verhältnis zu und im Umgang mit Sprache zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen stets mit einer forschenden Haltung durchzuführen, um Sprachmaschinen nicht nur reflektiert und verantwortungsvoll einzusetzen, sondern auch ihre Eignung für das spezifische Fach und ihren Einfluss zu ergründen; der Nicht-Einsatz von Sprachmaschinen ist ebenso eine Option. Dafür eignen sich in besonderer Weise gestaltungsbasierte Ansätze, die sich leichtgewichtig in die Lehre integrieren lassen.

Interessenkonflikte: Keine