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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Soziale Exklusion und Inklusion – Potenziale der konflikttheoretischen Perspektive Bourdieus für die Gesundheits- und Medizinsoziologie

Stephanie Beyer - Leibniz Universität Hannover (LUH), Institut für Soziologie, Hannover, Deutschland
Dominik Röding - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Hannover, Deutschland

Text

Inhalt: In der Ungleichheitsforschung wird seit einiger Zeit die Dimension „drinnen und draußen“ im Sinne von Inklusion und Exklusion diskutiert, bisher jedoch kaum aus konflikttheoretischer Perspektive betrachtet (Walgenbach 2024) und noch nicht in der Medizin- und Gesundheitssoziologie aufgegriffen. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag den folgenden beiden Fragen nach: 1. Welche Rolle spielen Prozesse sozialer In- und Exklusion in der kultursoziologischen Konflikttheorie von Bourdieu (1984)? 2. Welche der durch Klassenkonflikte verursachten Prozesse sozialer In- und Exklusion sind für das medizinische Feld von besonderer Relevanz?

Bourdieu (1984) transformiert die ökonomische Klassenkonflikttheorie in eine Theorie symbolischer Machtkämpfe um Legitimität. Der zentrale Konflikt verläuft für Bourdieu um die Definitionsmacht darüber, was als wertvoll, gebildet, geschmackvoll oder „hochstehend“ gilt. Konflikte verlaufen dabei meist nicht als bewusste politische Kämpfe, sondern als Distinktionspraktiken, Geschmacksurteile und Lebensstilwahl. Dadurch entstehen fortlaufend Prozesse sozialer Inklusion und Exklusion: Akteure ordnen sich und andere symbolisch bestimmten Klassen oder Klassenfraktionen zu (Inklusion), während sie sich und andere zugleich als nicht zugehörig markieren und abgrenzen (Exklusion).

Konflikte sind zudem nach Bourdieus Theorie feldspezifisch organisiert, so auch im medizinischen Feld mit seinen spezifischen „Spielregeln“, das sich zugleich als ein Ort von Inklusion und Exklusion beschreiben lässt. Relevante Mechanismen sind hier beispielsweise klassenspezifische Unterschiede im Verhältnis zum Körper, die damit einhergehende differente Wahrnehmung und Artikulation von Körpersignalen/Gesundheitszuständen gegenüber ÄrztInnen. Diese Unterschiede in der „medizinischen Kompetenz“ (Boltanski 2025) führen dazu, dass bestimmte soziale Gruppen nicht in gleichem Maße Zugang zu Gesundheitsleistungen haben und dadurch exkludiert werden.

Mit unserem Beitrag möchten wir eine Grundlage für eine fruchtbare Diskussion über In- und Exklusion aus konflikttheoretischer Perspektive für die gesundheitliche Ungleichheitsforschung schaffen.

Interessenkonflikte: Keine