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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Befragung schwangerer Frauen in Beruf, Studium und Ausbildung: Zusammenhang von psychosozialen Arbeitsbelastungen und schwangerschaftsbezogenen Gesundheitsbeschwerden

Marius Quernes - Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Nicola Häberle - Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland
Hans-Joachim Lincke - Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH, Freiburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Das Wissen über psychosoziale Arbeitsbelastungen von Schwangeren ist durch seine begrenzte empirische Datenlage gekennzeichnet. Die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften hat im Auftrag des Ausschusses für Mutterschutz eine Befragung von Frauen in Beruf, Studium und Ausbildung zu arbeitsbedingten psychischen Belastungen, Gesundheit und Wohlbefinden durchgeführt.

Zielsetzung/Fragestellung: Neben der Frage, welche arbeitsbezogenen Anforderungen, psychischen Belastungsfaktoren und Ressourcen von schwangeren Frauen erlebt werden, lag ein Schwerpunkt der Studie auf dem Ermitteln von (Zusammenhängen der Arbeitsbedingungen mit) schwangerschaftsbezogenen Gesundheitsbeschwerden.

Material & Methoden: In einer explorativ angelegten, standardisierten Befragung wurden (1) psychosoziale Belastungen – 24 Skalen – und Beanspruchungen – 7 Skalen – mit dem Copenhagen Psychosocial Questionnaire und (2) schwangerschaftsspezifische Aspekte, wie schwangerschaftsbezogene Gesundheitsbeschwerden (11 Items), erhoben. Die Auswertung erfolgte unter Nutzung deskriptiver Kennwerte wie x̄ (Skalenbreite 0-100 Punkte), Cronbachs α und Pearsons r.

Ergebnisse: Am stärksten litten Befragte (n=1.160) unter „Rücken-, Beckenschmerzen, muskulären Verspannungen“ (x̄=60), am geringsten unter „Blutungen“ (x̄=3). Eine aus den 11 erhobenen Gesundheitsbeschwerden gebildete Skala „Schwangerschaftsbezogene Gesundheitsbeschwerden“ (Cronbachs α=0,8) erreicht x̄=44. Dabei korreliert die gebildete Skala mit den Belastungen (19/24 Skalen) überwiegend schwach (p<.001; r≥0,1; r<0,3). Bei „Work-Privacy-Konflikten“ (p<0,001; r=0,41) und „Unsicherheiten der Arbeitsbedingungen“ (p<0,001; r=0,3) ist es eine mittlere Korrelation. Hinsichtlich der Beanspruchungen korreliert die gebildete Skala zumeist (4/7 Skalen) mittelstark (p<0,001; r≥0,3; r<0,5). Demgegenüber weist sie zum „Allg. Gesundheitszustand“ (p<0,001; r=-0,54) und zu „Burnout-Symptomen“ (p<0,001; r=0,66) einen stärkeren Zusammenhang auf.

Diskussion: Der meist schwache Zusammenhang zu Belastungen weist darauf hin, dass schwangerschaftsspezifische Beschwerden sich nur sehr bedingt aus konkreten Arbeitsbelastungen ergeben und ggf. deutlich stärker vom generellen Gesundheitszustand der Schwangeren abhängen.

Take Home Message für die Praxis: Schwangerschaftsbeschwerden und psychosoziale Arbeitsbelastungen scheinen auf den ersten Blick in einem umfangreichen, aber nicht sehr engen Wechselverhältnis zu stehen.

Interessenkonflikte: Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend beauftragt. Es liegt kein Interessenskonflikt vor.