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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Vom Symptom zur Dokumentation: Einflussfaktoren auf die Diagnosestellung – eine qualitative Studie

Dennis Herold - Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
Jost Steinhäuser - Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland
Daniel Hötker - Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Deutschland; Bundeswehr, Sanitätsversorgungszentrum Hamburg-Mitte, Deutschland

Text

Hintergrund: Das Stellen von Diagnosen ist eine zentrale ärztliche Aufgabe. Neben der Klassifizierung von Krankheiten dienen Diagnosen u. a. der Kommunikation zwischen Behandler:innen, bilden die Grundlage der ärztlichen Vergütung und werden zunehmend für Sekundärdatenanalysen herangezogen. In der hausärztlichen Versorgung unterliegt die Diagnosestellung durch die Notwendigkeit des abwartenden Offenhaltens und der Kodierung von Symptomen zusätzlichen Herausforderungen.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Faktoren beeinflussen die Diagnosestellung in der hausärztlichen Versorgung?

Material & Methoden: Es wurden leitfadengestützte Interviews mit Hausärzt:innen, Physician Assistants (PA) und Medizinischen Fachangestellten (MFA) geführt. Die Leitfragen adressierten verschiedene Faktoren, die das Stellen von Diagnosen beeinflussen könnten und basierten auf der einschlägigen Literatur und Erfahrungen der Autoren. Die Interviews wurden digital aufgezeichnet, pseudonymisiert, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Ergebnisse: Es wurden 15 Interviews mit 13 Ärzt:innen und jeweils einer PA bzw. MFA durchgeführt, von denen zwölf männlich und drei weiblich waren. Allgemein wurde die ICD-10-Systematik als wenig handhabbar für die hausärztliche Praxis beschrieben. Es konnten fünf Hauptkategorien identifiziert werden: organisatorisch-technische Faktoren, finanziell-institutionelle Einflüsse, individuelle Behandlerfaktoren, Einflüsse auf die Versorgungsqualität sowie Faktoren auf der Behandlungsebene. Ein Beispiel für individuelle Behandlerfaktoren war der Umgang mit potentiell stigmatisierenden Diagnosen, „weil man (…) jungen Leuten (…) nicht unbedingt eine F-Diagnose dokumentieren möchte“ (TN 019). Ein Beispiel für einen finanziell-institutionellen Einfluss ist, „inwiefern man das verordnen kann, ohne dass man da in Regressgefahr geht“ (TN 021).

Diskussion: Diese Studie gibt Hinweise darauf, dass bei der Vergabe von Diagnosen neben medizinischen auch organisatorische, finanzielle und individuelle Faktoren einen erheblichen Einfluss haben können. Bei der Interpretation von Sekundärdaten sollten diese Einflüsse berücksichtigt werden.

Take Home Message für die Praxis: Diagnosestellungen werden auch von nicht-medizinischen Faktoren beeinflusst, die u. a. bei der Interpretation von Sekundärdaten mitbedacht werden sollten.

Interessenkonflikte: Keine