Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Asymptomatische mikroskopische Hämaturie: eine systematische Übersichtsarbeit und Qualitätsbewertung von Leitlinien und Konsensusstatements

Karoline Will - Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine, Abteilung Allgemeinmedizin, Greifswald, Deutschland
Simone Kiel - Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine, Abteilung Allgemeinmedizin, Greifswald, Deutschland
Caroline Tornow - Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine, Abteilung Allgemeinmedizin, Greifswald, Deutschland
Jean-François Chenot - Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine, Abteilung Allgemeinmedizin, Greifswald, Deutschland
Elizabeth Mathias - Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine, Abteilung Allgemeinmedizin, Greifswald, Deutschland

Text

Hintergrund: Die nicht sichtbare Hämaturie (NSH) ist ein häufiger Zufallsbefund in der ambulanten Versorgung, z.B. in Form eines auffälligen Urinteststreifens im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung. Ein risikoadaptiertes Vorgehen ist nötig, um aus der Vielzahl der NSH-Befunde Personen mit erhöhtem Risiko für ernsthafte Erkrankungen zu identifizieren. Die deutsche Leitlinie für den Umgang mit NSH in der Hausarztpraxis wird zurzeit aktualisiert.

Zielsetzung/Fragestellung: Zur Ableitung von Empfehlungen für die deutsche NSH-Leitlinie wurden internationale klinische Leitlinien (LL) und Konsensusstatements (KS) zum diagnostischen Vorgehen bei asymptomatischer NSH identifiziert, verglichen und bewertet.

Material & Methoden: Durch eine systematische Datenbanksuche (PubMed, Embase, Cochrane) sowie eine manuelle Suche in Leitlinienportalen und auf Webseiten internationaler Fachgesellschaften wurden LL und KS im Publikationszeitraum 01/2000–01/2026 identifiziert. Aussagen zu Definition, Risikostratifizierung, Labordiagnostik, Bildgebung und Überweisungskriterien wurden extrahiert. Die methodische Qualität wurde mit dem Appraisal of Guidelines for Research and Evaluation Instrument (AGREE-II) bewertet.

Ergebnisse: Von insgesamt 577 Treffern wurden 21 LL und 7 KS eingeschlossen. 13 thematisierten hauptsächlich NSH, 15 behandelten Krankheiten wie chronische Nierenkrankheit oder Urothelkarzinom, beinhalteten aber Empfehlungen zum initialen Umgang mit asymptomatischer NSH. Definitionen der NSH variierten von einem einmaligen bis hin zu einem über mehrere Monate persistierenden Befund. Von 20 LL und KS, die eine Definition angaben, erforderten 14 eine Mikroskopie. Der Ausschluss eines Urothelkarzinoms, punktuell risikostratifiziert, bildete den Fokus der Mehrheit der LL und KS. 13 LL und 3 KS gaben nephrologische Überweisungskriterien an. 8 LL und 4 KS gaben an, ab wann keine weitere Abklärung bzw. kein weiteres Monitoring benötigt wird. Allgemein wurde ein Bevölkerungsscreening auf NSH abgelehnt.

Diskussion: Es besteht kein internationaler Konsens hinsichtlich der Definition der NSH. Der Ausschluss eines Urothelkarzinoms bei mikroskopisch bestätigter NSH steht im Vordergrund; nephrologische Erkrankungen und der Umgang mit positiven Urinteststreifen auf NSH werden nur lückenhaft berücksichtigt.

Take Home Message für die Praxis: Empfehlungen für den Umgang mit NSH bei auffälligen Urinteststreifen werden in Deutschland benötigt, um eine ressourcen- und patientenschonende Abklärung zu ermöglichen. Ziel der neuen DEGAM-NSH-Leitlinie ist es, deutschlandspezifische Empfehlungen zu entwickeln.

Interessenkonflikte: Keine