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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zertifikate in der stationären Versorgung: Siegel drauf, aber was ist drin?

Roman Prinz - Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen, Stabsbereich Patientenbelange, Deutschland
Sema Yildirim - Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen, Stabsbereich Patientenbelange, Deutschland
Mariechristin Hähnel - Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen, Stabsbereich Patientenbelange, Deutschland

Text

Hintergrund: Zertifikate sind im deutschen Gesundheitswesen weit verbreitet und prägen die Außendarstellung medizinischer Einrichtungen. Sie dienen als vermeintliche Orientierungs- und Entscheidungshilfe für Patientinnen und Patienten. Dabei sollen Zertifikate Erfahrung, Spezialisierung und Qualität signalisieren. Allerdings ist die Zertifikatelandschaft unübersichtlich und fragmentiert: Grundlagen, Anforderungen, Prüfverfahren und Transparenz unterscheiden sich zwischen Zertifikaten mitunter maßgeblich. Patientinnen und Patienten können solche Unterschiede schwer erkennen. Diese Unterschiede können die Aussagekraft von Zertifikaten beeinflussen. Deshalb hat das IQTIG Kriterien als Mindestanforderungen entwickelt und angewandt, um die Aussagekraft von Zertifikaten systematisch zu bewerten.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die Bewertung und Einordnung der Aussagekraft von Zertifikaten in der stationären Versorgung. Im Fokus steht die Frage, ob Zertifikate eine valide Orientierungs- und Entscheidungshilfe Patientinnen und Patienten sind.

Material & Methoden: Anwendung und Auswertung der 17 IQTIG-Kriterien zur Bewertung der Aussagekraft von Zertifikaten durch 3 unabhängige Raterinnen und Rater. Siehe auch: https://iqtig.org/qs-instrumente/bundes-klinik-atlas/zertifikaten-und-siegel/

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen deutliche Defizite in der Aussagekraft vieler Zertifikate. Nur etwas mehr als die Hälfte der bewerteten Zertifikate (67 von 129) erfüllten die Bewertungskriterien des IQTIG; vor Nachbesserung waren es 29 von 129. Die Zertifikate weisen eine hohe Heterogenität in Grundlagen, Anforderungen und Transparenz auf. Patientinnen und Patienten haben beispielsweise kaum Zugang zu verständlichen Informationen über die Anforderungen und Ziele von Zertifikaten. Die Patientenperspektive wird in der Entwicklung von Zertifikaten oft nicht integriert. Auch die IQTIG-Anforderungen an systematische und regelmäßige, zu veröffentlichende Evaluationen des Zertifizierungsprogramms erfüllen viele Zertifikate nicht.

Diskussion: Zertifikate erzeugen Sichtbarkeit, aber noch keine verlässliche Aussagekraft. Sie suggerieren Qualität in einem Label, wo diese nicht zwangsläufig vorhanden ist. Für Patientinnen und Patienten entsteht dadurch eine trügerische Sicherheit. Eine stärkere Standardisierung, mehr Transparenz und Ergebnis-Orientierung sind notwendig, um die Aussagekraft zu erhöhen.

Take Home Message für die Praxis: Viele Zertifikate erfüllen gestellte Mindestanforderungen aktuell nicht. Sie stellen noch keine valide Orientierungs- und Entscheidungshilfe dar.

Interessenkonflikte: Keine