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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Maßnahmen zur stärkeren Anbindung von Hausärzt:innen an den Katastrophenschutz – Ergebnisse aus Experteninterviews

Lia Heyl - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin, Hannover, Deutschland
Bastian P. Ringe - Medizinische Hochschule Hannover, Interdisziplinäre Notfall- und Katastrophenmedizin, Hannover, Deutschland
Franziska Annemarie Herbst - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin, Hannover, Deutschland

Text

Hintergrund: Hausärzt:innen spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Katastrophen. Sie tragen die Verantwortung für die reguläre Weiterversorgung ihrer Patient:innen, zudem können sie einen Beitrag zur Versorgung unmittelbar von Katastrophen Betroffener leisten. In Deutschland sind Hausärzt:innen jedoch kaum an den Katastrophenschutz angebunden.

Zielsetzung/Fragestellung: Die vorliegende Studie dient der Ermittlung von Maßnahmen zur stärkeren Anbindung von Hausärzt:innen an den Katastrophenschutz.

Material & Methoden: In der qualitativen Studie wurden halbstrukturierte Interviews mit Expert:innen aus dem Katastrophenschutz aus Niedersachsen durchgeführt, audio-aufgezeichnet, transkribiert und mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring in MAXQDA ausgewertet. Soziodemografische Daten der Teilnehmenden wurden mittels eines Fragebogens erhoben und deskriptiv in SPSS analysiert.

Ergebnisse: Befragt wurden 18 Expert:innen aus dem Katastrophenschutz (10–12/2025). Ihnen zufolge sollten Hausärzt:innen stärker für die Notwendigkeit ihrer Vorbereitung auf und ihre Verantwortung in Katastrophenfällen sensibilisiert werden. Zudem sollten konkrete Rollen für potenzielle Katastrophen abgestimmt werden: Ein Teil der Hausärzt:innen müsse die reguläre hausärztliche Versorgung sicherstellen und dafür bei Bedarf Unterstützung durch den Katastrophenschutz erhalten. Andere Hausärzt:innen könnten, auch in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst, außerhalb ihrer Praxen eingesetzt werden. Zur Vorbereitung auf entsprechende Einsätze könnten ihnen Katastrophenschutz-Fortbildungen angeboten und Informationen zu Einsatzabläufen und -bedingungen bereitgestellt werden. Für den Katastrophenfall müssten Möglichkeiten für die Alarmierung der Hausärzt:innen und die Kommunikation zwischen Hausärzt:innen und Katastrophenschutz geschaffen werden. Auch müssten Hausärzt:innen im Einsatz Ausrüstung und Material erhalten.

Diskussion: Zur Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit im Katastrophenfall sollten Hausärzt:innen an verschiedenen Schnittstellen enger an den Katastrophenschutz angebunden werden, wobei konkrete Verantwortlichkeiten zu klären sind. Zu diskutieren ist auch, inwiefern Hausärzt:innen die eigenverantwortliche Vorbereitung auf Katastrophen bei begrenzter zeitlicher Kapazität im Praxisalltag erleichtert werden kann.

Take Home Message für die Praxis: Obwohl die stärkere Anbindung von Hausärzt:innen an den Katastrophenschutz ressourcenintensiv erscheint, ist sie angesichts der Risiken katastrophaler Ereignisse durch Klimawandel und geopolitische Konflikte unabdingbar.

Interessenkonflikte: Keine