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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Gesundheitskompetenz als Strukturfrage: Gendergerechtigkeit in Organisationen

Berit Marquardt - Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft, Bielefeld, Deutschland
Stefanie Mache - Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE), Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Hamburg, Deutschland

Text

Hintergrund: Organisationale Gesundheitskompetenz (OGK) wird bislang vor allem für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung diskutiert. Für Organisationen außerhalb dieses Sektors fehlen geeignete Konzepte, die Diversität und Gender systematisch einbeziehen. Gerade in der Arbeitswelt werden Gesundheitschancen nicht nur individuell, sondern strukturell geprägt: durch geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation, ungleiche Verteilung von Sorgearbeit sowie androzentrische Normen.

Zielsetzung/Fragestellung: Der Beitrag untersucht daher, welche diversitäts- und gendersensiblen Anforderungen für die Gestaltung gesundheitskompetenter Organisationen außerhalb der Gesundheitsversorgung entscheidend sind, um gesundheitliche Chancengerechtigkeit zu fördern statt Ungleichheiten zu reproduzieren.

Material & Methoden: Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine empirische Studie mittels problemzentrierter Interviews mit zehn Beschäftigten einer öffentlichen Organisation ohne direktem Gesundheitsbezug in Deutschland durchgeführt. Die Interviews wurden digital durchgeführt, transkribiert und nach der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz & Rädiker (2024) ausgewertet?.

Ergebnisse: Die Analyse zeigt genderübergreifende sowie gruppenspezifische Bedarfe. Übergreifend benannt wurden Sensibilität für unterschiedliche Anforderungen, gleichberechtigte Kommunikation, die Vereinbarkeit von Beruf und Care Work, der Umgang mit diskriminierendem Verhalten sowie strukturell verankerte gendersensible Gesundheitsangebote. Gruppenspezifisch wurden für genderdiverse Beschäftigte Anerkennung und Schutz vor Diskriminierung, für weibliche Beschäftigte der Abbau misogyn geprägter Strukturen und für männliche Beschäftigte die Entstigmatisierung von Verletzlichkeit sowie gesundheitsbezogene Vorbilder hervorgehoben.

Diskussion: Gender und Diversität sind keine Zusatzthemen, sondern konstitutiv für gesundheitskompetente Organisationsentwicklung. Verhältnisprävention bedeutet folglich, organisationale Strukturen so zu reflektieren und zu gestalten, dass gesundheitliche Ungleichheiten reduziert statt fortgeschrieben werden. Erforderlich ist daher eine intersektionale, bedarfsorientierte Perspektive jenseits eines vermeintlich neutralen Standardmenschen.

Take Home Message für die Praxis: Gesundheitskompetenz ist eine Strukturfrage. Erst gender- und diversitätssensible Organisationsstrukturen ermöglichen es Beschäftigten, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden.

Interessenkonflikte: Keine