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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Dramatischer Anstieg der völkerrechtswidrigen Angriffe gegen das Gesundheitswesen und die Gesundheitsberufe in Konfliktgebieten weltweit: eine Analyse der Entwicklungen auf Basis des Surveillance System (SSA) der WHO

Alfons Hollederer - Universität Kassel, Fachbereich Humanwissenschaften, Kassel, Deutschland

Text

Hintergrund: Angriffe gegen die Gesundheitsversorgung verstoßen gegen das Humanitäre Völkerrecht und das Neutralitätsprinzip. Sie stellen ein Kriegsverbrechen nach dem Völkerrecht und der Genfer Konvention dar. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beauftragte deshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO), ein Surveillance System aufzubauen.

Zielsetzung/Fragestellung: Das Monitoring hat sich damit verbessert, aber es gibt Forschungslücken. Das Ziel der Analyse ist es, das weltweite Ausmaß, Typen und Ziele der Angriffe sowie deren Auswirkungen auf das Gesundheitswesen zu explorieren.

Material & Methoden: The Sekundäranalyse nutzt öffentlich zugängliche Daten des „Surveillance System for Attacks on Health Care (SSA)“ der WHO für den Zeitraum ab 1.1.2018. Sie verwendet deskriptive Statistik und eine Two-Step-Clusteranalyse.

Ergebnisse: Die Analyse zeigt, dass seit 2018 die Zahl der Länder mit Konflikten und die Angriffe gegen die Gesundheitsversorgung im Surveillance System (SSA) der WHO sehr stark zugenommen haben. Im Zeitraum von 1.1.2018 bis 31.12.2024 wurden in 22 Ländern 8.012 Angriffe gegen die Gesundheitsversorgung registriert. Gut die Hälfte aller Angriffe wirkten sich auf das Personal in den Gesundheitseinrichtungen und knapp ein Viertel auf Patientinnen und Patienten aus. Wenn das Jahr 2018 mit 2024 verglichen wird, hat sich die Jahreszahl der erfassten Attacken ebenso wie die der Verletzten verdoppelt und die der Toten sogar verfünffacht. Die Angriffe können von Typus, Komplexität und Schäden sehr unterschiedlich sein und es gibt regionale Auffälligkeiten. Die Gesundheitssysteme in den besetzten Palästinensischen Gebieten und in der Ukraine erlitten die meisten Angriffe. In wenigen Ländern gab es Verbesserungen, wenn Konflikte befriedet wurden.

Eine Clusteranalyse ergibt, dass sich die Attacken in zwei Hälften gut clustern lassen und der wichtigste Einflussfaktor der Einsatz von Gewalt mit schweren Waffen ist.

Diskussion: Als Limitation ist anzumerken, dass Angriffe gegen das Gesundheitswesen u.a. unterberichtet sind. Der globale Trend entwickelte sich dramatisch hinsichtlich der regionalen Verbreitung, dem Ausmaß und dem Impact auf das Gesundheitspersonal und die Patientinnen und Patienten. Die Analysen zeigen eine globale „Weaponisation of Health Care“. Gegenstrategien sind auf globaler, nationaler und lokaler Ebene abzuleiten. Prävention, Schutz, Vorbereitung auf und Verurteilung der Kriegsverbrechen sind weltweit notwendig.

Take Home Message für die Praxis: Global besteht die Gefahr, dass Angriffe gegen die Gesundheitsversorgung „the new normal“ werden.

Interessenkonflikte: Keine