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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Verzicht auf formale Empfehlungen in Leitlinien – Anwendungsfälle aus den NVL

Julia Lackner - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Nationale Versorgungsleitlinien (NVL), Deutschland
Carolin Bahns - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Nationale Versorgungsleitlinien (NVL), Deutschland
Izabela Kossowski - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Nationale Versorgungsleitlinien (NVL), Deutschland
Maria Samii-Moghadam - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Nationale Versorgungsleitlinien (NVL), Deutschland
Peggy Prien - Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Nationale Versorgungsleitlinien (NVL), Deutschland

Text

Hintergrund: Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen, die eine evidenzbasierte und angemessene Versorgung bei spezifischen Gesundheitsproblemen unterstützen sollen. Neben handlungsleitenden Empfehlungen können Leitliniengruppen auch Statements formulieren oder bewusst auf Empfehlungen verzichten.

Zielsetzung/Fragestellung: Es soll untersucht werden, wie häufig und aus welchen Gründen in Nationalen Versorgungsleitlinien (NVL) ein Statement verwendet oder bewusst auf Empfehlungen verzichtet wurde. Ziel ist es, die Funktion dieser Alternativen zu formalen Empfehlungen in den NVL besser zu verstehen, um zukünftig ihren Einsatz vereinheitlichen und Fehlanwendungen vermeiden zu können.

Material & Methoden: Basierend auf den aktuell gültigen 7 NVL erfolgte eine quantitative und qualitative Analyse der Statements und der dokumentierten bewussten Entscheidungen gegen eine Empfehlung. Die vorrangig deskriptive Auswertung erfolgte sowohl manuell als auch automatisiert mithilfe des R-Pakets „pdftools“. Ergänzend wurden die Begründungen für die Abgabe eines Statements bzw. den Verzicht auf eine Empfehlung thematisch gruppiert und qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse: In den NVL wurden Statements selten verwendet: Lediglich 5 der 7 NVL enthielten insgesamt 9 Statements. Diese dienten hauptsächlich dazu, Appelle zur Verbesserung der Versorgung, Schulung und Beratung zu formulieren.

In 4 der 7 NVL wurde insgesamt 19-mal auf die Formulierung einer Empfehlung verzichtet, wobei der häufigste Grund hierfür ein Mangel an Evidenz war. Bei der Analyse stellte sich heraus, dass nicht ausgesprochene Empfehlungen schwer auffindbar waren und in Kurzversionen verloren gingen.

Diskussion: Sowohl für Statements als auch für den Verzicht von Empfehlungen zeigte sich ein heterogener Umgang in den verschiedenen Leitliniengruppen (LLG). Um die Auffindbarkeit für letztere Fälle zu erhöhen, stellen Statements möglicherweise eine Alternative dar. Die Definition typischer Anwendungsfälle dafür könnte dazu beitragen, den Umgang innerhalb der LLG zu vereinheitlichen.

Take Home Message für die Praxis: Vor der Verwendung von Statements ist stets abzuwägen, ob auch eine handlungsleitende (Negativ-)Empfehlung formuliert werden könnte. Wenn bewusst auf Empfehlungen verzichtet wird, könnte dies in Form von Statements erfolgen, die für Anwendende leichter auffindbar sind. Hierbei sollten potenziell justiziable Tatsachenbehauptungen unbedingt vermieden werden und Statements gezielt eingesetzt werden, um Forschungsschwerpunkte zu setzen sowie Veränderungen im Gesundheitssystem anzustoßen.

Interessenkonflikte: Keine