Logo

Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Patientenberichtete Niedergeschlagenheit und Energieverlust 12 Monate nach Beginn der Behandlung bei Männern mit Prostatakrebs: Ergebnisse der PCO-Studie

Sophie Klara Schellack - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutschland
Jelena Epping - Medizinische Hochschule Hannover, Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Soziologie, Hannover, Deutschland
Diana Steinmann - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie, Hannover, Deutschland
Rebecca Roth - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutschland
Nora Tabea Sibert - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutschland; Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
Clara Breidenbach - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutschland
Klaus Kronewitz - Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Berlin-Nord, Berlin, Deutschland
Christoph Kowalski - Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutschland

Text

Hintergrund: Krebsbetroffene begegnen durch ihre Diagnose Unsicherheiten und Veränderungen, die zu einem erhöhten Risiko für depressive Symptomatiken führen. Mit 79.000 Neudiagnosen im Jahre 2023 ist Prostatakrebs der häufigste Krebs bei Männern in Deutschland. Betroffene erleben Belastungen durch Symptome und Funktionseinschränkungen aufgrund der Erkrankung und der Therapien. Zur Erfassung können patientenberichtete Outcomes (PROs) erhoben werden, um Unterschiede zwischen den Patienten, Nebenwirkungen und Folgen von Therapien, aber auch zwischen Ländern aufzuzeigen. Diese Studie ist eine Replikation der Analyse von Bensley et al. (2021) aus Australien.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel ist die Betrachtung zweier Items der psychischen Gesundheit (Niedergeschlagenheit, Energieverlust) von Männern mit lokalem Prostatakarzinom 12 Monate nach Therapiebeginn (T1) in Deutschland. Die Ergebnisse werden mit denen der australischen Prostatakrebspopulation verglichen.

Material & Methoden: Für die Replikation werden die Daten der Prostate Cancer Outcomes Studie genutzt, die als Teil des TrueNTH Global Registry PROs in Prostatakrebszentren mittels des EPIC-26 erhebt. Logistische Regressionen werden repliziert, um beide Items zu T1 zu prädizieren. Die Modelle werden für Alter, NCCN-Risikokategorie, Prä-Wert und Therapieart adjustiert und stratifiziert nach Alter, Therapieart und NCCN-Risikokategorie dargestellt. Die Durchführung der Analysen erfolgt mit R.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 35.316 Patienten in die Analysen eingeschlossen. Die beobachteten Werte zeigen, dass 42% der Prostatakrebsbetroffenen zu T0 Energieverlust (T1: 54%) und 35% ein Problem mit Niedergeschlagenheit (T1: 44%) berichten. Keines der beiden Probleme wird von 39% der Betroffenen zu T1 berichtet. Das höchste Risiko zeigt sich bei Patienten, die eine Strahlentherapie und Androgendeprivationstherapie (ADT) erhalten haben. Die prädizierten Wahrscheinlichkeiten für beide Probleme sinken mit steigendem Alter.

Diskussion: Die Ergebnisse in der deutschen Prostatakrebspopulation sind vergleichbar mit denen der Studie von Bensley et al., wobei sich insgesamt leicht höhere Werte für Prostatakrebsbetroffene in Deutschland zeigen. Insgesamt konnte eine hohe psychische Belastung von Prostatakrebsbetroffenen gezeigt werden, die mit höherer Risikoklassifikation und jüngerem Alter zunimmt.

Take Home Message für die Praxis: Sorgfältiges Monitoring und Screening in der Versorgung ist notwendig, um Betroffene zu unterstützen und an Versorgungsangebote weiterzuleiten, insbesondere, wenn eine ADT als Therapie indiziert ist.

Interessenkonflikte: SKS, RR, NTS, CB, CK sind Mitarbeitende der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.