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Gesundheit gestalten
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen
Gesundheit gestalten
Prävalenz des Cannabiskonsums vor und in der frühen Phase nach der Teillegalisierung in Deutschland
Text
Hintergrund: Am 1. April 2024 trat in Deutschland das Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (KCanG) in Kraft, das Erwachsenen den Anbau und Besitz von Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt
Zielsetzung/Fragestellung: Wir untersuchten, ob dies mit einer Veränderung der Prävalenz des Cannabiskonsums einherging.
Material & Methoden: Datenbasis waren 21 Wellen der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA Studie). Zwischen April 2022 und November 2025 wurden insgesamt 32.991 Personen im Alter von 14 bis 64 Jahren persönlich-mündlichen interviewt, darunter 2.092 (6,3%) Personen, die in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert hatten. Eine mögliche Veränderung der Prävalenz nach Einführung des KCanG wurde mit piecewise binomialen logistischen Regressionsmodellen untersucht. Die Analysen erfolgten für die Gesamtstichprobe sowie stratifiziert nach Geschlecht (männlich vs. weiblich) und Alter (14–24 vs. 25–64 Jahre). Zudem wurde der Anteil der (fast) täglich Konsumierenden unter allen Cannabiskonsumierenden untersucht. Sensitivitätsanalysen berücksichtigten alternative Veränderungszeitpunkte. A priori publizierter Analyseplan: https://osf.io/w92v5/files/g2p3u.
Ergebnisse: Die Prävalenz des Cannabiskonsums und der Anteil (fast) täglich Konsumierender unter den Personen mit Konsum innerhalb der letzten 12 Monate blieben vor und nach der Gesetzesreform weitgehend stabil. Es zeigten sich weder für die Steigungskoeffizienten vor Einführung des KCanG (alle p ≥ 0,08), noch für die Steigungsänderungen (alle p ≥ 0,31) statistisch signifikante Effekte. Dies galt für die Gesamtstichprobe sowie für die Strata und den Anteil der (fast) täglich Konsumierenden. Die Sensitivitätsanalysen bestätigten diese stabilen Trends für beide Endpunkte.
Diskussion: Die Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland war in der frühen Phase (1,5 Jahre) nach Einführung im April 2024 weder mit einer Veränderung der Trends bei der Prävalenz des Cannabiskonsums in den letzten 12 Monaten verbunden, noch mit einer Veränderung des Anteils der (fast) täglich Konsumierenden. Eine fortgesetzte Beobachtung über längere Zeiträume und unter Nutzung unterschiedlicher Datenquellen ist weiterhin erforderlich, da sich die Auswirkungen der Gesetzgebung möglicherweise noch nicht vollständig manifestiert haben.
Take Home Message für die Praxis: Unter Erwachsenen zeigt sich seit Jahren eine zunehmende Verbreitung des Cannabiskonsums, wobei ein maßgeblicher, kurzfristiger Einfluss des KCanG auf diesen Trend bislang nicht zu erkennen ist.
Interessenkonflikte: DK, JM, SK und PS sind Mitarbeiter des EKOCAN-Projekts – der begleitenden Evaluierung des KCanG (https://www.uke.de/english/landingpage/ekocan). Unabhängig von der vorliegenden Arbeit war JM als Berater für Gesundheitsbehörden tätig, erhielt von diesen Honorare und war an der Ausarbeitung eines Studienprotokolls für eine experimentelle Pilotstudie zum lizenzierten Cannabisverkauf beteiligt, die vom Land Berlin finanziert wurde.



