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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Zugangsbarrieren wohnungs- und obdachloser Menschen zum Gesundheitssystem – ein Scoping-Review

Michelle Madeleine Spörhase - Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Fakultät Gesundheitswesen, Deutschland
Martina Hasseler - Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Fakultät Gesundheitswesen, Deutschland

Text

Hintergrund: Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist eng mit ausgeprägten gesundheitlichen Ungleichheiten verbunden. Obwohl die betroffenen Menschen häufig einen hohen gesundheitlichen Unterstützungsbedarf aufweisen, bestehen zahlreiche Hürden beim Zugang zur regulären Gesundheitsversorgung. Diese Zugangsschwierigkeiten führen dazu, dass medizinische Leistungen oftmals erst spät, unregelmäßig oder überwiegend im Rahmen akuter Notfallsituationen genutzt werden.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, bestehende Zugangsbarrieren wohnungs- und obdachloser Menschen zum Gesundheitssystem systematisch zu erfassen und zu analysieren. Dabei werden individuelle, institutionelle sowie strukturelle Einflussfaktoren berücksichtigt, um ein umfassendes Verständnis der Zugangsproblematik zu ermöglichen.

Material & Methoden: Die Untersuchung basiert auf einer Scoping Review internationaler Literatur aus dem Zeitraum 2015 bis 2025. Relevante Studien wurden durch systematische Datenbankrecherchen sowie ergänzende manuelle Suchstrategien identifiziert.

Ergebnisse: Die Analyse macht deutlich, dass Zugangsbarrieren auf mehreren Ebenen wirken. Auf individueller Ebene beeinflussen existenzielle Grundbedürfnisse, psychische Belastungen, Substanzgebrauch sowie frühere negative Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem die Inanspruchnahme von Versorgung. Institutionelle Hindernisse zeigen sich unter anderem in administrativen Anforderungen, starren Versorgungsstrukturen und mangelnder Behandlungskontinuität. Auf struktureller Ebene erschweren fragmentierte Versorgungsangebote, fehlende interprofessionelle Kooperation sowie gesellschaftliche Stigmatisierung einen gleichberechtigten Zugang.

Diskussion: Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit niedrigschwelliger, integrierter und lebensweltorientierter Versorgungsansätze, die sich an den spezifischen Lebensbedingungen wohnungs- und obdachloser Menschen orientieren. Für die zukünftige Forschung ergibt sich die Aufgabe, gezielt interventionsbezogene Ansätze sowie strukturelle Einflussfaktoren weiter zu untersuchen, um langfristige Verbesserungen der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Take Home Message für die Praxis: Wohnungs- und Obdachlosigkeit führt zu erheblichen gesundheitlichen Benachteiligungen, die durch individuelle, institutionelle und strukturelle Barrieren im Gesundheitssystem verstärkt werden. Um eine gleichberechtigte Versorgung zu ermöglichen, sind niedrigschwellige, lebensweltnahe und integrierte Versorgungsangebote erforderlich, die die spezifischen Bedürfnisse vulnerabler Gruppen berücksichtigen.

Interessenkonflikte: Keine