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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Sprachbarrieren überwinden: interprofessionelle Lehre zur patientenzentrierten Kommunikation mit Sprachmittlung

Janina Zirkel - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland; Universitätsklinikum Würzburg, Abteilung für Infektiologie, Medizinische Klinik II, Würzburg, Deutschland
Pamina Hagen - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Theresa Hoffmann - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Anne Weißbrich - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Christiane Völk - Universitätsklinikum Würzburg, Institut der Hebammenwissenschaft, Würzburg, Deutschland
Jessica Ruck - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland
Anne Simmenroth - Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland

Text

Hintergrund: In Deutschland leben rund 23,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, von denen 10–30% wenig Deutschkenntnisse aufweisen. Sprachbarrieren können zu Fehldiagnosen, Über- oder Unterversorgung und vermeidbarer Chronifizierung führen. Sprachmittlung erfolgt häufig durch Laien oder technische Hilfsmittel, oft mit fatalen Folgen. An der Medizinischen Fakultät in Würzburg wird in den Studiengängen Humanmedizin und Hebammenwissenschaft Kommunikation mit Sprachmittlung bislang nicht gelehrt.

Zielsetzung/Fragestellung: Ziel dieses Teilprojekts des mehrsemestrigen interprofessionellen Projekts „Sprachbarrieren in der Anamnese überwinden“ ist es, Studierende dazu zu befähigen, eine patientenzentrierte Anamnese unter Einbezug unterschiedlicher Formen der Sprachmittlung reflektiert und zielführend durchzuführen sowie deren Vor- und Nachteile kritisch zu analysieren. Dolmetschstudierende vertiefen ihre sprachpraktischen Kompetenzen und ihre professionelle Rolle im medizinischen Kontext.

Material & Methoden: Im WS 2025/26 wurden Humanmedizin- und Hebammenstudierende curricular nach dem Inverted-Classroom-Konzept in drei Online- und einem Praxismodul in Anamneseübungen unter Einsatz von Schauspielpersonen, Dolmetschstudierenden und Sprach-Apps unterrichtet. Die Evaluation erfolgte mittels standardisierter Fragebögen (11-stufige Likert-Skala, 0–10) sowie Freitextfeldern. Diese wurden im Sinne einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz kategorisiert und deskriptiv-statistisch sowie qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse: Die Rücklaufquote der Evaluation betrug 90%. Hohe Mittelwerte bestätigten die Wirksamkeit der Übungen. Die Anwendung von Strategien im Umgang mit Dolmetschenden (Briefing, Durchführung, Debriefing) wurden ebenfalls hoch bewertet (MW = 7,95). In den Freitextantworten wurden insbesondere Qualitätsunterschiede zwischen Dolmetschenden und Sprach-Apps, der verbesserte Beziehungsaufbau sowie die Fehleranfälligkeit von Apps hervorgehoben.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass praxisnahe Online- und Präsenzmodule die Handlungskompetenz im Umgang mit Sprachmittlung fördern. Professionelle Dolmetschende wurden als qualitativ überlegen gegenüber Sprach-Apps wahrgenommen, insbesondere hinsichtlich Informationsübertragung und Beziehungsaufbau.

Take Home Message für die Praxis: Die praxisnahe Auseinandersetzung mit Sprachmittlung fördert die Handlungssicherheit und reflexive Kompetenz bei Studierenden der Medizin, der Hebammenwissenschaft und der Dolmetschwissenschaft. Die Module sind auf andere Fakultäten und Institutionen übertragbar.

Interessenkonflikte: Keine