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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Der Einfluss non-intentionaler Sprachlosigkeit auf das Shared-Decision-Making primäroperierte Brustkrebspatient:innen

Thilo Dietz - Universität zu Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR), Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland
Vera Schiewer - Universitätsklinikum Köln, Klinik I für Innere Medizin, Klinische Psychoonkologie, Köln, Deutschland
Daniela Breitschuh - Universitätsklinikum Köln, Klinik I für Innere Medizin, Klinische Psychoonkologie, Köln, Deutschland
Lena Ansmann - Universität zu Köln, Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR), Lehrstuhl für Medizinsoziologie, Köln, Deutschland

Text

Hintergrund: Untersuchungen indizieren eine erhöhte Sprachlosigkeit bei Krebspatient:innen. Das Phänomen der Sprachlosigkeit betrachtet ‚bedeutungsvolle Emotionen‘ (bspw. der Erhalt einer Krebsdiagnose) als primäre Auslöser intentionaler und non-intentionaler Sprachlosigkeit. Insbesondere die non-intentionale Sprachlosigkeit (NIS) kann womöglich das Shared-Decision-Making (SDM) hemmen.

Zielsetzung/Fragestellung: Konkrete Studien, welche diese Vermutung stützen oder prüfen, liegen bisweilen nicht vor. Ebenso ist fraglich, ob die Sprachlosigkeit einen mediierenden oder moderierenden Effekt auf das SDM besitzt.

Material & Methoden: Unter Verwendung der Befragungsdaten (Befragungszeitraum Feb.–Jul. 2025) primäroperierter Brustkrebspatient:innen an den NRW-Brustzentren (EMMA-NRW) wurden Versorgungserfahrungen zu SDM und zu ungedeckten Informationsbedarfen erhoben (NIB). NIS wurde mittels einer Fragebogenkurzversion (Wertebereich 0 bis 45) unter Anwendung des 25%- u. 75%-Quartils als Schwellenwerte gemessen. Neben inferenzstatistischen Analysen erfolgte die Berechnung eines Mediations- und Moderationsmodells unter Operationalisierung der NIS als beeinflussende Determinante.

Ergebnisse: Insgesamt N = 4.930 Patient:innen machten Angaben zur NIS. Der Mittelwert betrug M = 17,93 (SD = 9,34; SW = 0–45). Insgesamt 27,4% der Patient:innen erzielten eine überschwellige Sprachlosigkeit (ÜS; Werte >75%-Quartil). Patient:innen mit unterschwelliger Sprachlosigkeit (US; < 25%-Quartil) hatten eine signifikant positivere Erfahrung im SDM (US: M = 79,07; ÜS: M = 75,6; ∆M = 3,47; p < ,001) und einen signifikant geringeren NIB (US: M = 13,09; ÜS: M = 18,65; ∆M = -5,56; p < ,001). NIS korrelierte zudem signifikant negativ mit SDM (r = -,049; p < ,001) und positiv mit NIB (r = ,087; p < ,001). Die Ergebnisse der Mediationsanalyse wiesen auf einen fehlenden Einfluss von NIS auf SDM (β = -,004; p = .787) und einen starken Einfluss von NIB auf SDM (β = -,548; p = < ,001) hin. In der Moderationsanalyse zeigte NIS keinen signifikanten Haupteffekt (β = -,015, p = .310) auf SDM bei einem z-standardisierten NIB.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass NIS und der damit verbundene, fehlende verbale Austausch mit Versorgenden die NIB erhöht. Zeitgleich beeinflusst die NIS das SDM, unabhängig vom NIB. Limitationen aufgrund der durchgeführten Sekundärdatenanalyse sind nicht auszuschließen.

Take Home Message für die Praxis: Patient:innen sollten zu einer aktiven Kommunikation ermutigt und Versorgende über den neg. Einfluss von Sprachlosigkeit informiert werden.

Interessenkonflikte: Keine