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Gesundheit gestalten

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
30.09.2026-02.10.2026
Göttingen

Meeting Abstract

Leitlinien für die Primärversorgung in ressourcenlimitierten und strukturschwachen Kontexten: Was lässt sich aus den Clinical Guidelines von Médecins Sans Frontières lernen?

Martin Bortz - Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT), Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin, Deutschland; Médecins Sans Frontières (MSF), International Guidelines Publication, Deutschland; Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Fachbereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland
Karen Voigt - Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT), Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin, Deutschland; Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Fachbereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland; DEGAM, Sektion Leitlinien & Qualitätsförderung, Deutschland
Jeannine Schübel - Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT), Department für Primärversorgung – Allgemeinmedizin, Deutschland; Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden, Fachbereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland; DEGAM, Sektion Leitlinien & Qualitätsförderung, Deutschland

Text

Hintergrund: Leitlinien sollen evidenzbasierte, praktikable Versorgungsempfehlungen bereitstellen. In ressourcenlimitierten Kontexten ist dies bei eingeschränkter Evidenz, begrenzter Diagnostik und Therapie sowie limitierten Zugang zur Sekundärversorgung besonders herausfordernd. Auch in Deutschland entstehen durch Delegation und interprofessionelle Versorgung sowie in strukturschwachen Regionen Konstellationen, in denen Empfehlungen an begrenzte Ressourcen und Versorgungsstrukturen angepasst werden müssen. Die MSF Clinical Guidelines ermöglichen, Merkmale für solche Kontexte zu untersuchen.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Merkmale zeichnen Leitlinienentwicklung in ressourcenlimitierten Primärversorgungkontexten aus? Welche Impulse ergeben sich für die DEGAM-Leitlinien in sich wandelnden Versorgungsstrukturen und -prozessen?

Material & Methoden: Der Beitrag basiert auf einer strukturierten und prozessnahen Analyse der aktuellen Weiterentwicklung der MSF Clinical Guidelines. Berücksichtigt wurden Kapitel, die in den letzten 18 Monaten neu aufgelegt wurden, Ergebnisse einer 2022 bis 2023 durchgeführten Mixed-Methods-Nutzerbefragung sowie interne Diskussionen zur Neuausrichtung der Leitlinien. Analysiert wurden klinische, versorgungsstrukturelle und anwendungsbezogene Merkmale.

Ergebnisse: Die Analyse zeigt wiederkehrende Spannungsfelder, darunter eingeschränkt übertragbare Evidenz mit erhöhter Bedeutung von Expertenkonsens, stärkere Gewichtung klinischer Entscheidungsfindung bei begrenzter Diagnostik, Priorisierung häufig auftretender Krankheitsbilder, erweiterte Primärversorgungsfunktionen bei begrenztem Zugang zur Sekundärversorgung, eingeschränkte Versorgungskontinuität mit Überbetonung akuter Beratungsanlässe, sowie Bedarf an didaktisch klaren, handlungsorientierten Empfehlungen bei heterogenem Qualifikationsniveau ausführender Gesundheitsprofessionen.

Diskussion: Leitlinien für ressourcenlimitierte und strukturschwache Settings erfordern eine eigenständige Kontextualisierung klinischer Entscheidungsfindung. Dies ist auch für Deutschland relevant, insbesondere in Regionen mit zunehmender Delegation und begrenztem Zugang zu weiterführender Versorgung. Die identifizierten Prinzipien von Priorisierung, Sicherheitsorientierung, Versorgungskontinuität, klarer Schnittstellengestaltung und Anwendbarkeit bei heterogenem Qualifikationsniveau bieten auch für die DEGAM-Leitlinienarbeit relevante Ansatzpunkte.

Take Home Message für die Praxis: MSF-Leitlinienarbeit liefert Merkmale, die für DEGAM-Leitlinien in sich wandelnden Versorgungsstrukturen und -prozessen Impulse liefern.

Interessenkonflikte: Keine