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20. Internationales SkillsLab Symposium 2026


12.-14.03.2026
Mannheim

Meeting Abstract

Pieksen lernen mit System – ein Kurskonzept zur ultraschallgestützten Punktion

Richard Scholz - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum (MITZ), Dresden, Deutschland
Joris Sauerland - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum (MITZ), Dresden, Deutschland
Marie-Christin Willemer - Technische Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Didaktik und Lehrforschung in der Medizin, Medizinisches Interprofessionelles Trainingszentrum (MITZ), Dresden, Deutschland

Text

Hintergrund & Motivation: Die Sonografie ist Grundlage zahlreicher diagnostischer und interventioneller Verfahren und wird in vielen Leitlinien empfohlen [1], [2]. Dem breiten klinischen Einsatz steht jedoch eine weiterhin heterogene Ausbildung von Medizinstudierenden gegenüber, die häufig nur einen begrenzten curricularen Umfang einnimmt. An der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden ist die Ausbildung zwar curricular verankert und wird unter anderem am Medizinischen Interprofessionellen Trainingszentrum (MITZ) umgesetzt, weiterführende und interventionelle Inhalte werden jedoch überwiegend in Wahlfächern und fakultativen Kursen vermittelt. In bisherigen Kursen zeigte sich, dass insbesondere das Erlernen ultraschallgestützter Punktionstechniken didaktisch herausfordernd ist, vor allem im Hinblick auf die Hand-Augen-Koordination. Ziel war daher die Weiterentwicklung des Kurskonzepts zu einem strukturierten, praxisnahen Trainingsformat zur Ergänzung der curricularen Ausbildung.

Beschreibung des Projekts: Die neuen fokussierten Lernziele des Punktionskurses umfassten die koordinierte Nadel-Schallkopf-Führung, das Verständnis sonografischer Eigenschaften von Gefäßen und Nerven sowie die Durchführung grundlegender Gefäß- und Pleurapunktionen am Modell. Zur Vorbereitung wurde ein Blended-Learning-Ansatz mit digitalen Lernmaterialien eingesetzt. Der 90-minütige Präsenzkurs begann mit einer kurzen Demonstration relevanter sonografischer Strukturen. Anschließend absolvieren die Teilnehmenden in Kleinstgruppen strukturierte Punktions- und Verfolgungsübungen [https://www.radiomegahertz.de/out-of-plane-punktion-3-top-uebungen/] an Gefäßphantomen zur gezielten Schulung der Hand-Augen-Koordination. Ergänzend wurde eine Station zur ultraschallgestützten Pleurapunktion integriert. Am Ende des Kurstages erfolgte eine Evaluation des Kursformats.

Ergebnisse: Die didaktische Neustrukturierung des Kurses wurde überwiegend positiv bewertet. Von 20 Teilnehmenden nahmen 11 an der Evaluation teil (Rücklaufquote 55%). Es zeigte sich eine hohe Akzeptanz des Kurskonzepts sowie eine positive Einschätzung der Attraktivität. Insbesondere die Integration der Pleurapunktionsstation wurde als Mehrwert wahrgenommen. Verbesserungsvorschläge betrafen vor allem die zeitliche Gewichtung der einzelnen Kursstationen, insbesondere das Verhältnis zwischen Gefäß- und Pleurapunktionsübungen.

Kritische Reflexion: Die Ergebnisse sprechen für die Eignung des Kurskonzepts zur Vermittlung grundlegender ultraschallgestützter Punktionstechniken. Die strukturierte Schulung der Hand-Augen-Koordination erwies sich als didaktisch sinnvoll. Der initiale Schulungsaufwand für Tutor*innen war erhöht, konnte jedoch durch gezielte Kurzschulungen reduziert werden. Die begrenzte Rücklaufquote sowie das Fehlen objektiver Kompetenzmessungen schränken die Aussagekraft ein.

Ausblick: Das Kurskonzept wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die theoretische Einführung soll als Video ausgelagert werden, um den Praxisanteil zu erhöhen. Strukturierten Übungen werden auf weitere Sonografiekurse übertragen. Langfristig ist die curriculare Verankerung ultraschallgestützter Punktionstechniken vorgesehen.

Interessenkonflikte: Die Autor*innen erklären, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


Literatur

[1] Neal JM, Brull R, Horn J, Liu SS, McCartney CJ, Perlas A, Salinas FV, Tsui BC. The Second American Society of Regional Anesthesia and Pain Medicine Evidence-Based Medicine Assessment of Ultrasound-Guided Regional Anesthesia: Executive Summary. Reg Anesth Pain Med. 2016;41(2):181-194. DOI: 10.1097/AAP.0000000000000331
[2] Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM), editor. S2e-Leitlinie Fraktursonografie. AWMF-Registernummer 085-003. Zugänglich unter/available from: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/085-003