33. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA)
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Pflanzliche Arzneimittel bei gynäkologischen Beschwerden: Erkenntnisse aus der Real-World-Versorgung und Faktoren der Anwendung
Text
Hintergrund/Ziel: Pflanzliche Arzneimittel (pAMs) stellen eine häufig genutzte Option bei unkomplizierten gynäkologischen Beschwerden dar. Dennoch ist wenig darüber bekannt, wie pflanzliche Gynäkologika im Versorgungsalltag eingesetzt werden, wie ihr therapeutischer Nutzen ist und welche Faktoren ihre Anwendung beeinflussen.
Methoden: Verschiedene Datenquellen wurden komplementär kontextualisiert: Abverkaufsdaten (Insight Health GmbH) für die Analyse von Bezugswegen [1], PhytoVIS-Daten (Kooperation Phytopharmaka) für die Bewertung des wahrgenommenen therapeutischen Nutzens [2] und Gesundheitsdaten der NAKO zur Identifikation von Faktoren, die mit der Anwendung pflanzlicher Gynäkologika assoziiert sind [3]. Die statistische Auswertung umfasste deskriptive und bivariate Analysen sowie logistische Regressionsmodelle, deren Robustheit durch verschiedene Sensitivitätsanalysen geprüft wurde.
Ergebnisse: Etwa 72% der ausgewerteten pflanzlichen Gynäkologika wurden ohne ärztliche Verordnung im Rahmen der Selbstmedikation bezogen, während 18% über private und 10% über gesetzliche Krankenversicherungen erstattet wurden. Insgesamt wurden in den westlichen Bundesländern tendenziell eher pAMs verwendet als in den Östlichen. Die Mehrheit der Anwenderinnen berichtete über eine moderate bis sehr gute Symptomlinderung, wobei der wahrgenommene Nutzen mit Anwendungsdauer und Darreichungsform assoziiert war. Weder Wirksamkeit noch Verträglichkeit waren mit der Nutzung von Begleitmedikation assoziiert. Relevante Faktoren für die pAM-Nutzung waren unter anderem Alter, Inanspruchnahme gynäkologischer Versorgung, Vorerkrankungen und Lebensstilfaktoren.
Diskussion/Schlussfolgerung: Pflanzliche Gynäkologika werden in Deutschland überwiegend rezeptfrei in der Selbstmedikation bezogen. Gleichzeitig zeigen unsere Auswertungen deren gute Verträglichkeit und Symptomlinderung. Dies unterstützt die Rolle der pAMs als ergänzende Therapieoption und unterstreicht einen von den Krankenkassen bislang nicht gedeckten Versorgungsbedarf. Darüber hinaus wurden personen- und versorgungsbezogene Faktoren wie Alter, Inanspruchnahme gynäkologischer Versorgung, Vorerkrankungen und Lebensstilfaktoren identifiziert, die mit der Anwendung von pAMs assoziiert waren. Diese Erkenntnisse können dazu beitragen, die Versorgung gynäkologischer Beschwerden durch die Integration pflanzlicher Therapieoptionen zukünftig zu optimieren.
Literatur
[1] Insight Health. Abverkauf Packungen, 01 2019 – 12 2025, APO Fusion. 2025.[2] Drebka A, Scholl AJ, Ochs T, Kelber O, Mösges R, Bachmeier BE. Trends and Patterns for the Use of Herbal Medicinal Products for Gynaecological Ailments. Phytother Res. 2026 Jun;40(6):3580-3594. DOI: 10.1002/ptr.70321
[3] Schipf S, Schöne G, Schmidt B, Günther K, Stübs G, Greiser KH, Bamberg F, Meinke-Franze C, Becher H, Berger K, Brenner H, Castell S, Damms-Machado A, Fischer B, Franzke CW, Fricke J, Gastell S, Günther M, Hoffmann W, Holleczek B, Jaeschke L, Jagodzinski A, Jöckel KH, Kaaks R, Kauczor HU, Kemmling Y, Kluttig A, Krist L, Kurth B, Kuß O, Legath N, Leitzmann M, Lieb W, Linseisen J, Löffler M, Michels KB, Mikolajczyk R, Pigeot I, Mueller U, Peters A, Rach S, Schikowski T, Schulze MB, Stallmann C, Stang A, Swart E, Waniek S, Wirkner K, Völzke H, Pischon T, Ahrens W. Die Basiserhebung der NAKO Gesundheitsstudie: Teilnahme an den Untersuchungsmodulen, Qualitätssicherung und Nutzung von Sekundärdaten [The baseline assessment of the German National Cohort (NAKO Gesundheitsstudie): participation in the examination modules, quality assurance, and the use of secondary data]. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2020 Mar;63(3):254-266. DOI: 10.1007/s00103-020-03093-z



