33. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA)
33. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA)
Pharmakologische Ergebnisse der GESCO-Machbarkeitsstudie: Pilotierung einer geschlechts- und gendersensiblen Primärversorgungsintervention bei Patient:innen mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen unter langfristiger Opioidtherapie
Text
Hintergrund/Ziel: Chronische, nicht tumorbedingte Schmerzen (CNCP) werden sowohl durch das biologische Geschlecht (Sex) als auch das soziale Geschlecht (Gender) in ihrer Prävalenz, Symptomatik und Therapie beeinflusst. Darüber hinaus beeinflussen Geschlechterstereotype sowie dyadische Interaktionen die Arzt-Patienten-Kommunikation und damit potenziell die Versorgungsqualität. Trotz dieser Erkenntnisse werden geschlechts- und gendersensible Aspekte in den aktuellen Leitlinien zur Behandlung chronischer, nicht tumorbedingter Schmerzen (LTOT) bislang nur unzureichend berücksichtigt. Die GESCO-Studie (gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit, 2522FSB14A/ 2522FSB14B) zielt darauf ab, vorhandenes Wissen zu bündeln und eine praxisnahe, geschlechts- und gendersensible Primärversorgungsintervention für Patient:innen mit CNCP, die LTOT erhalten, zu entwickeln.
Methoden: Die GESCO-Studie wurde gemäß dem MRC Framework for Developing and Evaluating Complex Interventions als Machbarkeitsstudie zur Entwicklung und Evaluation einer komplexen Intervention durchgeführt. Die Interventionsentwicklung basierte auf systematischen Literaturrecherchen, die Entwicklung einer Toolbox sowie ein pharmakologisches Handbuch unter Einbeziehung von Patient:innen und weiteren Stakeholdern. Mithilfe der Theory-of-Change-Methode wurde die Intervention entwickelt und anschließend in einer einarmigen Prä-Post-Pilotstudie mit acht Hausärzt:innen evaluiert, die insgesamt 38 Patient einschlossen. Die Intervention umfasste eine Schulung der Hausärzt:innen und zwei strukturierte, jeweils 30-minütige Arzt-Patient-Konsultationen. Datenerhebungen erfolgten zu Studienbeginn (T0), nach einem Monat (T1) und nach drei Monaten (T2). Der primäre Endpunkt war der Pain Disability Index (PDI). Pharmakologische Endpunkte umfassten die tägliche Opioiddosis (Morphinäquivalent), die Zufriedenheit mit der Arzneimittelinformation (SIMS) und den Pain Medication Questionnaire (PMQ).
Ergebnisse: Der Pain Disability Index (PDI) zeigte eine mittlere Reduktion von 3,38 Punkten zwischen T0 und T2, ohne statistische Signifikanz (p = 0,078) zu erreichen. Die Schmerzintensität (0–10) verringerte sich bei Männern von 5,7 auf 5,1 und bei Frauen von 6,1 auf 5,5. Frauen erhielten im Mittel etwa 30 % niedrigere Opioiddosen (Morphinäquivalente) als Männer. Die SIMS-Werte lagen bei Männern zu den Erhebungszeitpunkten höher als bei Frauen und zeigten einen Anstieg im Studienverlauf. Für den PMQ zeigte sich ebenfalls eine Verbesserung der Werte im Verlauf der Intervention, wobei Männer eine stärkere Verbesserung aufwiesen als Frauen; der Unterschied in den Veränderungswerten war jedoch nicht statistisch signifikant (p = 0,23, Mann-Whitney-U-Test).
Diskussion/Schlussfolgerung: Die GESCO-Studie wurde gemäß dem MRC Framework for Developing and Evaluating Complex Interventions als Machbarkeitsstudie zur Entwicklung und Evaluation einer komplexen Intervention durchgeführt. Die Interventionsentwicklung basierte auf systematischen Literaturrecherchen, die Entwicklung einer Toolbox sowie ein pharmakologisches Handbuch unter Einbeziehung von Patient:innen und weiteren Stakeholdern. Mithilfe der Theory-of-Change-Methode wurde die Intervention entwickelt und anschließend in einer einarmigen Prä-Post-Pilotstudie mit acht Hausärzt:innen evaluiert, die insgesamt 38 Patient einschlossen. Die Intervention umfasste eine Schulung der Hausärzt:innen und zwei strukturierte, jeweils 30-minütige Arzt-Patient-Konsultationen. Datenerhebungen erfolgten zu Studienbeginn (T0), nach einem Monat (T1) und nach drei Monaten (T2). Der primäre Endpunkt war der Pain Disability Index (PDI). Pharmakologische Endpunkte umfassten die tägliche Opioiddosis (Morphinäquivalent), die Zufriedenheit mit der Arzneimittelinformation (SIMS) und den Pain Medication Questionnaire (PMQ).



