38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
Raytracing-basierte IOL-Berechnung nach hyperoper keratorefraktiver Lentikelextraktion (KLEx)
Text
Zielsetzung: Untersuchung der Genauigkeitsgrenzen der raytracing-basierten Intraokularlinsen-(IOL-)Berechnung nach hyperoper keratorefraktiver Lentikelextraktion (KLEx) und Identifikation der dominierenden Einflussfaktoren auf den Vorhersagefehler.
Methode: Retrospektive Auswertung der Marburger Kohorte einer prospektiven multizentrischen Zulassungsstudie zur SMILE-Behandlung der Hyperopie. Eingeschlossen wurden 36 Augen von 18 Patienten. Prä- und postoperative Pentacam-Tomographien sowie subjektive Refraktionen wurden in OKULIX importiert. Für prä- und postoperative Datensätze wurde mit identischen Annahmen (Achslänge 23,6 mm, pseudophake Vorderkammertiefe 4,0 mm, IOL-Stärke 21,0 dpt) die Residualrefraktion berechnet. Simuliert wurden zwei IOL-Modelle mit unterschiedlichem Design hinsichtlich sphärischer Aberration (AR40e, Tecnis ZCB00). Der Vorhersagefehler ergab sich aus der Differenz zwischen Änderung der berechneten Residualrefraktion (post minus prä) und der tatsächlich erreichten refraktiven Änderung; die Analysen wurden für verschiedene Pupillendurchmesser wiederholt.
Ergebnis: Postoperativ zeigten sich stark prolate Hornhäute mit ausgeprägt negativer sphärischer Aberration. Daraus resultierte eine deutliche pupillenabhängige Verschiebung des Bestfokus. In hochkorrigierten Augen unterschieden sich die berechneten refraktiven Änderungen je nach Pupillendurchmesser um bis zu etwa 3,0 dpt. Der mittlere Vorhersagefehler betrug 0 dpt bei einem Pupillendurchmesser von 3,01 mm für AR40e bzw. 3,05 mm für Tecnis ZCB00. Bei diesen Pupillenweiten lagen Standardabweichung, mittlerer absoluter Fehler und medianer absoluter Fehler bei 0,65/0,66 dpt, 0,48/0,48 dpt und 0,39/0,40 dpt (AR40e/Tecnis ZCB00).
Schlussfolgerung: Die Genauigkeit der IOL-Berechnung nach hyperoper KLEx wird vor allem durch die postoperative korneale Asphärizität und die hierdurch verursachte pupillenabhängige Fokusverschiebung limitiert. Erforderlich ist daher ein Full-Aperture-Raytracing unter Berücksichtigung eines klinisch definierten Ziel-Pupillendurchmessers; klassische formelbasierte Verfahren können diesen Effekt nicht adäquat abbilden. Aberrationskorrigierende asphärische IOLs sollten in diesen Augen vermieden werden, da sie die negative sphärische Aberration zusätzlich verstärken können.



