Logo

38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)


18.-20.06.2026
Nürnberg

Meeting Abstract

Chorioretinale Veränderungen nach Ischämie im porcinen Modell

Niklas Junker - Universitätsklinikum Heidelberg, Augenklinik, Heidelberg
Philipp Uhl - Universität Heidelberg, Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie, Heidelberg
Victor Aristide Augustin - Universitätsklinikum Heidelberg, Augenklinik, Heidelberg
Gerd Uwe Auffarth - Universitätsklinikum Heidelberg, Augenklinik, Heidelberg
Maximilian Hammer - Universitätsklinikum Heidelberg, Augenklinik, Heidelberg

Text

Zielsetzung: Pathologien der retinalen Gefäße wie der zentrale retinale Arterienverschluss (CRAO) oder der retinale Arterienastverschluss (BRAO) können zu retinaler Ischämie führen und klinisch mit einem erheblichen Visusverlust einhergehen. Die Wirksamkeit und Sicherheit einer Lysetherapie in diesen Fällen hängen wesentlich von der Dauer der Ischämie ab. Da der Symptombeginn in vielen Fällen von den Patientinnen und Patienten nur ungenau erinnert wird, könnten objektive, mittels retinaler Bildgebungsverfahren erhobene Parameter zur Bestimmung der Ischämiedauer das therapeutische Vorgehen verbessern. Ziel dieser Studie war es, unter kontrollierten Bedingungen Daten zur retinalen Schwellung und Morphologie innerhalb des Lysezeitfensters von 4.5 Stunden nach Ischämie zu generieren.

Methode: In diese in-vitro Studie wurden 10 unbehandelte linke Augen von 10 Landschweinen eingeschlossen. Die rechten Augen der Tiere waren zuvor Teil anderer Experimente. Um Ausgangswerte für retinale Dicke und Morphologie zu erheben, wurden bei den lebenden Tieren OCT-Untersuchungen der linken Augen durchgeführt. Nach der Euthanasie wurden die OCT-Scans bis zu 4,5 Stunden post-mortem im Abstand von 2 bis 30 Minuten wiederholt. Anschließend wurde die Dicke der gesamten Netzhaut (total retinal thickness, TRT), sowie die Dicke der einzelnen Schichten zu den verschiedenen Messzeitpunkten bestimmt. Sowohl die absolute Veränderung der Schwellung, als auch die relative Veränderung der Schichtdicken im Vergleich zum Ausgangswert wurden berechnet.

Ergebnis: Die TRT nahm ab etwa 45 Minuten post-mortem linear zu. Die relativen Veränderungen der TRT waren zwischen den Tieren vergleichbar und erreichten nach 4,5 Stunden einen etwa 1,6-fachen Anstieg der TRT. Die verschiedenen Schichten der Netzhaut zeigten eine unterschiedliche Schwellung nach Ischämie. Veränderungen der chorioretinalen Morphologie traten unmittelbar nach Unterbrechung der Blutversorgung auf, insbesondere in Form eines Verlustes der retinalen Schichtung, sowie eines Kollapses der Aderhaut.

Schlussfolgerung: Die Schwellung der Netzhaut nach Ischämie verläuft linear und ist reproduzierbar, die Schwellung der einzelnen Schichten ist unterschiedlich stark. Aus systematischen Daten zu den morphologische Veränderungen im Zeitverlauf post-mortem lassen sich objektive Kriterien für den Zeitpunkt eines Befundes nach retinaler Ischämie ableiten.