37. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
37. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)
Screening der Okulomotorik mittels Virtual Reality bei Erwachsenen mit asthenopischen Beschwerden
2Augenärztliche Privatpraxis Prof. Michelson, Nürnberg
3Michelson-Digital GmbH, Erlangen
Text
Zielsetzung: Ziel dieser Studie war es, bei Erwachsenen mit asthenopischen Beschwerden die okulomotorische Funktion objektiv zu analysieren. Besonderes Augenmerk lag auf der Fusionsfähigkeit und -latenz in neun Blickrichtungen, der Sakkadenparameter (Geschwindigkeit und Latenz), sowie der Augenfehlstellung mittels Virtual-Reality-System mit Eye-Tracking-Technologie.
Methode: Es wurden n = 103 Patienten (63% Männer, mittleres Alter 55 ± 16 Jahre, Dezimalvisus RA 0,6 ± 0,5, LA 0,7 ± 0,5) mit subjektiven asthenopischen Beschwerden mittels VR Ocu.Motion untersucht. Das System VR Ocu.Motion erfasste die Fusionsfähigkeit und -latenz in neun Blickrichtungen, sowie Sakkadengeschwindigkeit, Sakkadenlatenz und Augenfehlstellungen mittels einer VR Brille. Die Fusion wurde über stereoskopische Reize geprüft, die Eye-Tracking-Analyse lieferte automatisiert objektive Daten zu Augenbewegungen.
Ergebnisse: Die durchschnittliche Fusionslatenz bei 825 arcsec betrug 1.780 ms (Norm 719+-172 ms), die mittlere Sakkadengeschwindigkeit lag bei 232°/s (Norm 296°/s+-23°/s). 13% der Patienten zeigten keine Fusion im Primärblick, was auf eine dekompensierte Phorie oder manifeste Tropie hinweist. 11% wiesen eine Anisometropie > 2 dpt auf. Häufige Befunde waren asymmetrische Fusionsfähigkeiten in einzelnen Blickrichtungen, sowie reduzierte Divergenzreserven bei gleichzeitiger Fixationsinstabilität.
Schlussfolgerung: Die VR-gestützte Analyse der Okulomotorik ermöglicht eine präzise, standardisierte und patientenfreundliche schnelle Screening Untersuchung okulomotorischer Funktionen. Besonders bei komplexen asthenopischen Beschwerden, wie z.B. durch dekompensierte Esophorien oder subtile Schielabweichungen, bietet die Kombination aus Fusionstestung, Blickrichtungsanalyse und Eye-Tracking ein wertvolles Instrument zur objektiven Differenzierung und schnellen Verlaufskontrolle. Die automatisierte Auswertung spart Zeit und unterstützt eine gezielte Therapieplanung auch ohne spezialisierte strabologische Kenntnisse.



