Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Veränderte Adaptationsmechanismen der paraspinalen Muskulatur auf körperliche Aktivität: Chronische Rückenschmerzen vs gesunde Kontrollen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die paraspinale Muskulatur spielt eine zentrale Rolle für die segmentale Stabilität der Wirbelsäule. Degenerative Veränderungen, insbesondere eine erhöhte Fettinfiltration sowie Muskelatrophie werden mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (cLBP) in Verbindung gebracht, wobei die körperliche Aktivität ein potenzieller protektiver Faktor darstellt. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss körperlicher Aktivität auf die paraspinale Muskelquerschnitt bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im Vergleich zu einer asymptomatischen Kontrollkohorte zu untersuchen.
Material und Methoden: In dieser Querschnittsstudie wurden 853 Teilnehmende eingeschlossen (269 asymptomatisch, 584 mit cLBP), wo mittels lumbaler MRT-Untersuchung die paraspinale Muskulatur (M. multifidus, M. erector spinae und M. psoas) morphologisch untersucht wurde. Die Fettinfiltration sowie die funktionelle Querschnittsfläche wurden mittels Otsu-Schwellenwertverfahren berechnet. Die körperliche Aktivität wurde mittels des International Physical Activity Questionnaire (IPAQ) erhoben und in niedrige, moderate und hohe Aktivitätsniveaus eingeteilt. Die Assoziationen zwischen Aktivitätsniveau und Muskelparametern wurden nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), Bandscheibendegeneration und Schmerzintensität, mittels multivariabler Regressionsanalysen untersucht.
Ergebnisse: Teilnehmende mit und ohne cLBP waren hinsichtlich Alter (42,12 ± 12,02 Jahre), BMI (23,46 ± 2,7 kg/m²) und körperlicher Aktivität vergleichbar. Bei asymptomatischen ProbandInnen war intensive körperliche Aktivität mit einer geringeren Fettinfiltration im M. erector spinae (p < 0,001) und im M. psoas (p = 0,021) sowie mit einer größeren funktionellen Querschnittsfläche des M. erector spinae (p = 0,001) assoziiert (Abbildung 1 [Abb. 1]). Demgegenüber zeigten sich bei Teilnehmenden mit chronischen Rückenschmerzen keine signifikanten Zusammenhänge, trotz insgesamt erhaltener Muskelquerschnittsflächen.
Diskussion und Schlussfolgerung: In der asymptomatischen Kohorte zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen intensiver körperlicher Aktivität und reduzierter Fettinfiltration und Muskelquerschnitt der paraspinalen Muskulatur, insbesondere des M. psoas und des M. erector spinae. Für den M. multifidus hingegen konnten keine signifikanten Zusammenhänge nachgewiesen werden. Dies unterstreicht die potenzielle Schlüsselrolle des M. psoas und des M. erector spinae für die funktionelle Stabilität der Wirbelsäule und weist zugleich darauf hin, dass für den M. multifidus möglicherweise spezifischere, gezielt ausgerichtete Trainingsprogramme erforderlich sind, um eine effektive muskuläre Adaptation zu erreichen.




