Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Standardisierte Evaluation der intraoperativen Humeruskopfperfusion mittels Laser-Doppler-Blutflussmessung bei proximalen Humerusfrakturen
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Zielsetzung und Fragestellung: Die optimale Frakturversorgung proximaler Humerusfrakturen stellt aufgrund des Risikos einer avaskulären Nekrose eine Herausforderung dar. Auf Grundlage der im Zentrum etablierten Methode zur standardisierten Evaluation der posttraumatischen Humeruskopfdurchblutung mittels intraoperativer Doppler-Perfusionsmessung wurden weitere Messungen an einer größeren PatientInnenkohorte durchgeführt, um ein vertieftes Verständnis zu erlangen.
Material und Methoden: In dieser prospektiven Studie wurden PatientInnen eingeschlossen, die zwischen Juli 2021 und August 2025 im Rahmen einer proximalen Humerusfraktur mittels Plattenosteosynthese in unserer Klinik versorgt wurden. Die Frakturmorphologie wurde radiologisch nach Resch klassifiziert. Die intraoperative Perfusion wurde mittels Laser-Doppler-Blutflussmessung bestimmt. Die Messungen umfassten alle neun Bohrlöcher im Humeruskopf sowie zwei im Humerusschaft. Als Nachweis einer Perfusion galt ein pulssynchrones Signal. Die frakturmorphologischen Faktoren „intact vs disrupted medial hinge“ sowie „metaphyseal extension > 8 mm vs < 8 mm“ wurden ebenfalls beurteilt. Die Qualität der postoperativen Reposition wurde radiologisch nach Peters et al. klassifiziert.
Ergebnisse: In die Studie konnten 56 PatientInnen eingeschlossen werden. Das durchschnittliche Alter betrug 58,76 Jahre (29–83) (29 Frauen und 27 Männer). Eine anatomische Reposition konnte in 43 Fällen erzielt werden, eine „minor malreduction“ in 13 Fällen. Im Durchschnitt konnte in 5,04 Bohrlöchern eine pulssynchrone Perfusion festgestellt werden. In einem Fall konnte in keinem Bohrloch eine pulssynchrone Messung festgestellt werden. In diesem Fall handelte es sich um eine posterior verhakte Humeruskopfluxationsfraktur. In 27 Fällen war der „medial hinge“ intakt, in 29 Fällen konnte ein „disrupted medial hinge“ festgestellt werden. Bei PatientInnen mit einem intakten „medial hinge“ konnte in etwa der doppelten Anzahl an Bohrlöchern eine pulssynchrone Perfusion festgestellt werden (6,33 vs 3,83; p<0,001). Beim Vorhandensein einer metaphysären Extension über 8 mm (n=29) zeigte sich eine Perfusion durchschnittlich in 5,76 Bohrlöchern. Bei einer minimalen/keinen metaphysären Extension (n=27) betrug die durchschnittliche Anzahl 4,26 perfundierte Bohrlöcher. Diese Unterschiede erwiesen sich ebenfalls als statistisch signifikant (p=0,016). Beim Vergleich von Luxationsfrakturen (5a und 5p) mit Nicht-Luxationsfrakturen zeigte sich durchschnittlich eine geringere Anzahl perfundierter Bohrlöcher bei Luxationsfrakturen (3,45 vs. 5,25), ohne dass ein statistisch signifikanter Unterschied nachweisbar war (p = 0,219).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Laser-Doppler-Blutflussmessung ist eine geeignete und schnelle Methode, um die Humeruskopfdurchblutung in Patienten nach proximaler Humerusfraktur zu beurteilen. In den standardisierten Messungen konnte ein positiver Einfluss der frakturmorphologischen Faktoren einer intakten „medial hinge“ und einer metaphysären Extension über 8 mm auf die intraoperative Perfusion gezeigt werden.



