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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Präventive funktionelle Screening-Tests bei wurfbedingten Schulterproblemen – Nutzen oder Zeitverschwendung?

Alexander-Stephan Henze - Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland
Verena Deutsch - Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland
Phillipp Bottke - Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland
Eric Schwarz - Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland
Lynn Matits - Abteilung Klinische & Biologische Psychologie, Institut für Psychologie und Pädagogik, Universität Ulm, Ulm, Deutschland
Daniel Bizjak - Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland
Sebastian Schulz - Institut für Medizintechnik und Mechatronik, Technische Hochschule Ulm, Ulm, Deutschland
Johannes Kirsten - Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Wurfbedingte Schulterprobleme treten beim Handball häufig auf und können ein Frühstadium einer Überbeanspruchung darstellen, die einer strukturellen Schulterpathologie vorausgehen kann. Funktionelle Schulter-Screeningtests werden daher häufig eingesetzt, um Sportler:innen mit einem erhöhten Risiko für derartige Schulterprobleme zu identifizieren. In dieser prospektiven Beobachtungsstudie wurde der Zusammenhang zwischen funktionellen Schulterparametern und dem Vorliegen sowie der kurzfristigen Inzidenz von Schulterproblemen im Zusammenhang mit Wurfbewegungen im Amateur-Handball untersucht.

Material und Methoden: Während der Saison 2024/2025 wurde bei 168 Amateur-Handballspieler:innen eine umfassende funktionelle Schulteruntersuchung durchgeführt. Um Multikollinearität zu vermeiden und eine sparsame Modellierung zu gewährleisten, wurden anhand von Korrelationsanalysen repräsentative Parameter innerhalb jedes Funktionsbereichs ermittelt: das Gesamtbewegungsausmaß für die Rotation, die normierte isometrische Außenrotationskraft, der Y-Balance-Test Composite Score und ein logarithmisches Verhältnis der maximalen willkürlichen Aktivierungsamplitude des oberen und unteren Trapezius. Wurfbezogene Schulterprobleme wurden mit dem validierten „Oslo Sports Trauma Research Center Overuse Injury Questionnaire” (OSTRC-O2) erhoben. Querschnittsassoziationen wurden mittels multivariabler logistischer Regression analysiert, die um Alter, Geschlecht und wöchentliche Trainingsbelastung bereinigt wurde. Spieler:innen ohne Schulterprobleme zu Beginn der Studie wurden zwölf Wochen lang mit wöchentlicher Symptomüberwachung unter Verwendung des OSTRC-O2 beobachtet und auftretende Probleme wurden mittels altersbereinigter logistischer Regression analysiert.

Ergebnisse: Zu Studienbeginn gaben 61 von 168 Spieler:innen (36%) wurfbezogene Schulterprobleme an. Von den 107 Spieler:innen ohne Probleme zu Beginn der Studie schlossen 59 die 12-wöchige Nachbeobachtungszeit ab, während der 47% neue Probleme entwickelten. Keiner der ausgewählten funktionellen Schulterparameter und Kovariaten zeigten einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit bestehenden oder neu auftretenden Schulterproblemen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Bei Amateur-Handballspieler:innen waren funktionelle Schulterparameter weder unabhängig mit bestehenden wurfbezogenen Schulterproblemen assoziiert, noch zeigten sie einen eindeutigen kurzfristigen prognostischen Nutzen für neu auftretende Probleme. Diese Ergebnisse untermauern die multifaktorielle Natur von überlastungsbedingten Schulterproblemen bei Überkopfsportarten und verdeutlichen die Grenzen isolierter funktioneller Screenings. Im Amateur-Handball sollten funktionelle Schulteruntersuchungen vor oder während der Saison daher nicht isoliert zur Identifizierung von Spieler:innen mit einem Risiko für wurfbezogene Schulterprobleme verwendet werden, sondern vielmehr in longitudinale, belastungssensitive und symptomorientierte Monitoringansätze integriert werden.