Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss des Unfallmechanismus auf das Verletzungsmuster der Hand – eine Auswertung des HandTraumaRegisters DGH
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Zielsetzung und Fragestellung: Handverletzungen stellen einen wesentlichen Anteil traumatologischer Notfälle dar und weisen eine hohe Heterogenität hinsichtlich Verletzungsschwere, betroffener Strukturen und funktioneller Konsequenzen auf. Der zugrundeliegende Unfallmechanismus (z.B. Schnitt, Quetschung, Stich, Sturz, Maschine, Verkehrsunfall) spielt dabei eine entscheidende Rolle für Art und Ausmaß der Verletzung. Ziel dieser Analyse ist es Zusammenhänge zwischen Unfallmechanismus, struktureller Beteiligung sowie Komplexität von Handverletzungen systematisch zu evaluieren und somit zu helfen präventive Maßnahmen zu optimieren, die Akutversorgung zu verbessern und Rehabilitationsstrategien gezielter auszurichten.
Material und Methoden: Es erfolgte eine retrospektive deskriptive Analyse der Daten des HandTraumaRegister DGH (2018–2024; Datenstand Mai 2025). Eingeschlossen wurden 34.386 Patient:innen aus 56 Kliniken mit dokumentiertem Unfallmechanismus und mindestens einer verletzten Struktur der Hand. Die Unfallmechanismen wurden in stumpf, scharf/penetrierend, Maschinen-/Werkzeugverletzung, thermisch/chemisch sowie Biss/Sonstige gruppiert. Untersucht wurden Strukturbeteiligung, Schweregrad einzelner Läsionen sowie das Vorliegen von Kombinationsverletzungen (≥2 Strukturklassen oder Amputation).
Ergebnisse: Stumpfe Traumata stellten mit 49,9% den häufigsten Unfallmechanismus dar, gefolgt von scharfen Verletzungen (27,0%) und Maschinen-/Werkzeugverletzungen (12,4%). Stumpfe Traumata führten überwiegend zu knöchernen Verletzungen (82,1%), häufig mit Frakturdislokation (81,3% der Knochenverletzungen). Scharfe Verletzungen zeigten eine ausgeprägte Beteiligung funktioneller Strukturen: Sehnen (53,3%), Nerven (40,3%) und Arterien (23,8%), hierbei zeigten sich in über 80% der Fälle mehr als 50%ige oder vollständige Durchtrennungen der funktionellen Strukturen. Maschinen-/Werkzeugverletzungen waren mit der höchsten Rate an Amputationen (32,3%) und Komplexverletzungen (89,6%) assoziiert. Zudem fanden sich hier besonders schwere Weichteilschäden bei offenen Frakturen (Gustillo und Anderson Grad III–IV: 35,6%). Thermisch/chemische Traumata führten in 78,7% zu Verbrennungen, häufig Grad IIa/IIb. Insgesamt lag bei 48,0% aller Fälle eine Kombinationsverletzung vor, wobei die Komplexität der Kombinationsverletzung eine deutlich Abhängigkeit zum Verletzungsmechanismus zeigte.
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Unfallmechanismus ist ein signifikanter Prädiktor für das Verletzungsmuster und die Komplexität von Handverletzungen. Während stumpfe Traumata primär knöcherne Läsionen verursachen, gehen scharfe und insbesondere maschinelle Verletzungen mit hochgradigen kombinierten Strukturverletzungen einher. Die Kenntnis und Berücksichtigung dieser Zusammenhänge kann Hilfestellungen geben die präklinische Triage, Ressourcenplanung sowie operative Strategieentscheidungen zu optimieren.



