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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Die Wertigkeit der frühen Ganzbeinaufnahme zur Beurteilung der Beinachse in der Knieendoprothetik

Faisal Abo Ora - Klinikum Wolfsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie, Wolfsburg, Deutschland
Alexander Wegner - Klinikum Wolfsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie, Wolfsburg, Deutschland
Marius Ambrock - Klinikum Wolfsburg, Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie, Wolfsburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: In Deutschland sind Endoprothetikzentren vor Entlassung eine Ganzbeinaufnahme zur Beurteilung der Beinachse bzw. der Ausrichtung anzufertigen. In dieser sehr frühen Phase sind vollständige Streckung, und Vollbelastung häufig nicht gewährleistet, was die Aussagekraft der Achsvermessung limitiert. Untersucht wurde die Wertigkeit der frühen postoperativen GBA (4.–8. postoperativer Tag) zur Beurteilung der mechanischen Beinachse nach primärer Knie-TEP.

Material und Methoden: Retrospektive Studie, aus 680 Patient:innen wurden zwei Gruppen gebildet: eine Frühgruppe mit GBA am 4.–8.postoperativen Tag (n=634) sowie eine Spätgruppe mit poststationärer GBA zu späterem Zeitpunkt bei fehlenderfrüher GBA (n=46). Sofern vorhanden, wurden zusätzlich spätere Ganzbeinaufnahmen zur Verlaufsbeurteilung herangezogen. Bildqualitätskriterien (Rotation, Streckdefizit, fehlende/verminderte Belastung) wurden qualitativ erfasst. Eine relevante Achsenabweichung wurde definiert als absoluter HKA-Winkel >3. Statistisch wurdennichtparametrische Tests verwendet; kategoriale Variablen wurden mittels Chi-Quadrat- bzw. Fisher-Exakt-Test analysiert. Zusammenhänge wurden mittels Spearman-Korrelation geprüft. Zur Adjustierung potenzieller Confounder kamen multiple logistische Regressionsmodelle sowie Modelle mit kontinuierlicher Zielvariable (z.B. Gamma-GLM mitLog-Link) zum Einsatz.

Ergebnisse: In der Frühgruppe traten Qualitätsstörfaktoren häufig auf (Streckdefizit 45,4%, Rotationsfehler 29,0%, fehlende Belastung 8,7%); 404/634 Aufnahmen wurden als „schlecht“ eingestuft. Eine schlechte Aufnahmequalität war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine relevante Achsenabweichung assoziiert (42,3%; OR 2,13; p<0,001); zwischen denpostoperativen Tagen 4–8 bestanden keine signifikanten Unterschiede. In der Spätgruppe (31,4±27,2 Monate postoperativ) waren Qualitätsstörungen nahezu nicht vorhanden und die Achsabweichung geringer (1,83±1,69°); entsprechend war die Frühgruppe im Vergleich hinsichtlich Aufnahmequalität und Achsabweichung signifikant schlechter (je p<0,001). Der Zeitpunkt der GBA blieb auch nach Adjustierung invers mit der Achsenabweichung assoziiert (logistische Regression und kontinuierliche Modelle). Bei Patient:innen mit zwei Messzeitpunkten zeigten frühe Kontrollen häufiger relevante, spätere irrelevante Achsenänderungen (je Wilcoxon p<0,001). Das Ergebnis der Entlassungs-GBA hatte in keinem Fall Konsequenzen für den weiteren Behandlungsverlauf.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die frühe postoperative GBA am 4.–8. Tag ist häufig durch Streckdefizit, Rotationsabweichungen und eingeschränkte Belastbarkeit beeinträchtigt und bildet die tatsächliche Beinachse nur eingeschränkt ab. Später angefertigte GBAs zeigen deutlich bessere Messbedingungen und daher als geeignetere Referenz zur Beurteilung der postoperativenmechanischen Beinachse. Vor diesem Hintergrund und bei fehlenden therapeutischen Konsequenzen sollte dieroutinemäßige Durchführung der sehr frühen GBA zur Beurteilung der „endgültigen“ Beinachse kritisch diskutiertwerden.