Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Auf dem Prüfstand: ESIN bei Unterarmschaftfrakturen im Wachstumsalter – sind die Familien genauso zufrieden wie die Operateure?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Elastisch Stabile Intramedulläre Nagelung (ESIN) ist die einzige für die Kinder- und Jugendtraumatologie spezifisch entwickelte Osteosyntheseform. Sie hat die Behandlung von Frakturen der langen Röhrenknochen revolutioniert. Dies gilt auch und besonders für die Anwendung bei Unterarmschaftfrakturen. Aus medizinischer Sicht werden die Ergebnisse als exzellent bezeichnet, die Komplikationsrate istäußerst gering. Für die Behandlung von Unterarmschaftfrakturen im Kindesalter gilt die ESIN als der Goldstandard. Für die Beurteilung einer Methode ist jedoch nicht nur die ärztliche Sicht ausschlaggebend, sondern auch die der betroffenen Patienten und deren Angehörigen. Daher haben wir uns die Frage gestellt, ob die Familien der betroffenen Kinder und Jugendlichen die Methode ebenso uneingeschränkt für sehr gut befinden, ob sie sich Änderungen im Verfahrensablauf wünschen und welche sozio-ökonomischen Auswirkungen die Behandlung mit sich bringt.
Material und Methoden: Mit Hilfe des Krankenhausinformationssystems wurden aus den Jahrgängen 2020 – 2024 die Patientinnen und Patienten identifiziert, die eine ESIN bei Unterarmschaftfraktur erhielten. Epidemiologische Daten und Komplikationen wurden erfasst. Den betroffenen Familien wurde ein Fragebogen mit 9 Themen zum Behandlungsablauf und der subjektiven Einschätzung der Ergebnisse vorgelegt.
Ergebnisse: 188 Fälle wurden identifiziert. 70 Familien beantworteten den Fragebogen. Die Gesamtzufriedenheit war sehr hoch (97,2%). Die Weiterempfehlungsquote lag bei 89,8%. Jede siebte Familie hätte eine zusätzliche Ruhigstellung bevorzugt. Knapp ein Viertel war mit der Narbenbildung unzufrieden. 71% der Familien nahm weniger als eine Woche Hilfe von Freunden und verwandten in Anspruch. In der Hälfte der Fälle wurde eine Elternkrankmeldung in Anspruch genommen. In 43,6% der Fälle blieben die verletzten Kinder weniger als eine Woche lang der Schule fern.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Familien der verletzten Kinder sind überwiegend mit dem Behandlungsablauf und den Ergebnissen sehr zufrieden. Die ärztliche Einschätzung der hervorragenden Ergebnisse der ESIN in der Behandlung von Unterarmschaftfrakturen im Wachstumsalter wird durch die Betroffenen bestätigt. Eine Limitation der Untersuchung besteht in der Tatsache, dass nur die Patienten einer einzelnen Klinik evaluiert wurden. So können natürlich abteilungsspezifische Abläufe die Bewertung der Befragten beeinflussen, die nicht alleine der Methode selbst immanent sind. Die Auswertung unserer Daten kann dennoch Anhalt für wünschenswerte Änderungen im Vorgehen und die Auswirkungen für die betroffenen Familien geben.



