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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Risikofaktoren der postoperativen Immobilität bei alterstraumatologischen Patienten mit periprothetischen distalen Femurfrakturen

Leon-Marcel Faust - LMU Klinikum, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Florian Pachmann - LMU Klinikum, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Carl Neuerburg - LMU Klinikum, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Tobias Helfen - LMU Klinikum, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Wolfgang Böcker - LMU Klinikum, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Boris Holzapfel - LMU Klinikum, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Christopher Lampert - LMU Klinikum, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: In den vergangenen Jahren stieg die Anzahl der primärendoprothetischen Implantation von Kniegelenksendoprothesen in Deutschland. Hiermit geht ein erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen einher, darunter fällt auch das Auftreten von periprothetischen distalen Femurfrakturen (PPF), welche mit einer Inzidenz von etwa 2,5% in der Literatur beschrieben werden. Periprothetische Frakturen des Femur sind mit einer hohen Morbidität und Mortalität assoziiert. Ziel dieser Studie war es, Risikofaktoren der postoperativen Immobilität nach operativer Versorgung einer distalen PPF zu identifizieren.

Material und Methoden: In einer Klinik der Maximalversorgung mit alterstraumatologischem Schwerpunkt wurden im Zeitraum von 02/2017 bis 06/2023 n=67 Patienten mit einer distalen PPF retrospektiv untersucht, Evidenzlevel C. Einschlusskriterien waren Alter ≥65 Jahre und Vorliegen einer distalen PPF ohne weiteren Frakturnachweis. Potenzielle Einflussfaktoren postoperativer Immobilität wurden explorativ analysiert. Es wurden zwei Gruppen definiert (Gruppe A: mobil, Gruppe B: immobil). Patienten, welche bettlägerig waren oder nicht über den Stand hinaus mobilisiert werden konnten, wurden als immobil klassifiziert. Demographische Daten, Frakturtyp, Operationsdaten, Komorbiditäten, Bluttransfusionen und das Nachbehandlungsschema (Voll-/Teilbelastung) wurden untersucht. Für nicht normalverteilte metrische Daten wurde ein Mann-Withney-U-Test durchgeführt, die Häufigkeit von nominalen Daten wurde mittel Fisher-Exakt-Test verglichen (IBM SPSS Statistics, Version 31, Armonk, NY: IBM Corp).

Ergebnisse: Der Anteil weiblicher Patienten lag bei 82,1% (n=55). Das Durchschnittsalter betrug 81,9±9,2 Jahre.Der Anteil von Rorabeck I Frakturen lag bei 9%, Rorabeck II bei 65,6% und Rorabeck III bei 24,4%. Operativ wurden 73,1% (n=49) mit einer Plattenosteosynthese versorgt, eine Revisionsendoprothese erhielten 26,9% (n=18). N=28 Patienten (41,8%) waren bei Entlassung immobil. Patienten in Gruppe B (85,7±7,4 Jahre) waren signifikant älter als in Gruppe A (79,1±9,5 Jahre, p=0.003) und wiesen einen signifikant höheren CCI auf (A: 4 (Median), B: 5 (Median), p=0.008). In Gruppe B lag signifikant häufiger eine Demenz vor als in Gruppe A (A: 5%, B: 43%, OR 13.9, p<.001). Eine postoperative Behandlung auf einer Intensiv- oder Intermediate-Care-Station war in Gruppe B signifikant häufiger als in Gruppe A (A: 41%, B: 75%, OR 4,3, p=0.007). Die Operationsdauer, intraoperative Bluttransfusionen und das Nachbehandlungsschema zeigten keinen signifikanten Unterschied.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die vorliegende Analyse zeigte eine hohe Rate postoperativer Immobilität nach distaler PPF. Insbesondere höheres Alter, eine ausgeprägte Komorbiditätslast sowie die postoperative Behandlung auf einer Intensiv- oder Intermediate-Care-Station waren signifikant mit Immobilität assoziiert. Interdisziplinäre Versorgungskonzepte mit Fokus auf frühzeitige und individualisierte Mobilisationsmaßnahmen sollten für Patienten mit distaler PPF angestrebt werden.