Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss des Infektionszeitpunkts auf Behandlungsergebnisse: Eine vergleichende Studie zu periprothetischen Gelenk- und frakturassoziierten Infektionen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Implantatassoziierte Infektionen wie periprothetische Gelenkinfektionen (PJI) und frakturassoziierte Infektionen (FRI) verursachen erhebliche Morbidität. Der Infektionszeitpunkt (früh/verzögert/spät) gilt als relevanter Einflussfaktor für den Therapieerfolg, sein Zusammenhang mit patientenberichteten Ergebnissen und Krankenhausbelastung wurde jedoch selten vergleichend für PJI und FRI untersucht. Ziel dieser Studie war es zu analysieren, ob der Infektionszeitpunkt mit gesundheitsbezogener Lebensqualität (HRQoL) und Krankenhausverweildauer assoziiert ist und ob sich Unterschiede zwischen PJI und FRI zeigen.
Material und Methoden: Retrospektive monozentrische Kohortenstudie an einem überregionalen Traumazentrum. Eingeschlossen wurden 61 erwachsene Patientinnen und Patienten mit mikrobiologisch gesicherter implantatassoziierter Infektion (PJI n=30; FRI n=31), behandelt im Jahr 2021. Einteilung nach Infektionszeitpunkt: früh (<3 Monate), verzögert (3–24 Monate), spät (>24 Monate nach Indexoperation). Die HRQoL wurde 2023 mittels EQ-5D-3L und EQ-VAS erhoben. Klinische Endpunkte: Krankenhausverweildauer (LOS), Reinfektion, Revisionsoperationen, Amputation und intrahospitale Mortalität. Kontinuierliche Variablen wurden mittels t-Test, kategoriale Variablen mittels Chi-Quadrat- oder Fisher-Test verglichen; Subgruppenanalysen erfolgten explorativ. Evidenzgrad: C.
Ergebnisse: Von 61 Fällen entfielen 25 auf frühe (PJI 11; FRI 14), 24 auf verzögerte (PJI 11; FRI 13) und 11 auf späte Infektionen (PJI 7; FRI 4). EQ-VAS war bei FRI höher als bei PJI in frühen (63,4±17,8 vs. 48,3±20,8) und verzögerten Infektionen (66,2±16,8 vs. 56,6±13,5); bei späten Infektionen zeigten beide Gruppen deutlich reduzierte Werte. Der mittlere EQ-5D-3L-Domänenwert war bei frühen FRI signifikant besser als bei frühen PJI (1,55±0,33 vs. 1,91±0,39; p=0,033). Die LOS nahm mit zunehmender Chronizität zu, insbesondere bei PJI; in der verzögerten Phase war die LOS bei PJI signifikant länger als bei FRI (100,6±82,2 vs. 28,2±10,2 Tage; p=0,015). Reinfektionen und Revisionen stiegen mit späterem Infektionszeitpunkt an; Amputation und intrahospitale Mortalität waren selten.
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Infektionszeitpunkt ist mit patientenberichteten und klinischen Outcomes bei implantatassoziierten Infektionen assoziiert. Späte Infektionen gingen in beiden Entitäten mit deutlich reduzierter HRQoL einher. Insbesondere bei PJI zeigte sich mit zunehmender Chronizität eine ausgeprägte Krankenhausbelastung (LOS), während FRI in frühen und verzögerten Phasen tendenziell bessere HRQoL-Werte aufwies. Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz einer frühzeitigen Diagnostik und stadienadaptierten Therapie sowie die Notwendigkeit entitätsspezifischer Behandlungsstrategien. Prospektive multizentrische Studien sollten die beobachteten Zusammenhänge und potenzielle Einflussfaktoren weiter prüfen.



