Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Intraoperative 3D-Kontrolle der Syndesmosenstellung bei intramedullärer Versorgung von OSG-Frakturen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Versorgung von Frakturen des oberen Sprunggelenkes nimmt insbesondere bei betagten Patienten einen zunehmenden Stellenwert ein. Als Goldstandard gilt die offene Reposition und Platten-Schrauben-Osteosynthese nebst fibulo-tibialer Transfixation, häufig durch Stellschrauben. Vor dem Hintergrund zunehmender Komorbiditäten und zügiger Remobilisierbarkeit hochbetagter Patienten mit OSG-Frakturen stellt die intramedulläre Versorgung mittels Verriegelungsnagel eine minimalinvasive Behandlungsoption in der Alterstraumatologie dar. Dabei ist eine direkte Reposition in der Regel nur eingeschränkt zu erzielen. Dazu erlaubt die zweidimensionale intraoperative Bildgebung oft nur eine indirekte Einschätzung der korrekten Gelenkstellung. Die intraoperative dreidimensionale Bildgebung ermöglicht eine unmittelbare quantitative Beurteilung der artikulären Kongruenz und der fibulo-tibialen Relation. Ziel dieser Studie war die systematische CT-basierte Analyse der Syndesmosenstellung bei operativer Versorgung mittels Verriegelungsnagel.
Material und Methoden: In diese retrospektive Fallserie wurden 21 Patienten eingeschlossen, die zwischen März 2024 und Januar 2026 bei Außenknöchelfraktur mittels Verrriegelungsnagel (Fa. M. Axomed, Freiburg) versorgt wurden. Begleitverletzungen der Tibiahinterkante oder des Innenknöchels wurden erfasst. Bei allen Patienten erfolgte intraoperativ eine 3D-Bildgebung mittels 3D-C-Bogen (Fa. Siemens Healthineers, CIOS Spin). Retrospektiv wurden die anteriore, posteriore und zentrale fibulo-tibiale Distanz jeweils 1 cm proximal sowie auf Höhe des Gelenkspaltes erfasst. Die symmetrische Einstellung des medialen und lateralen Gelenkspaltes wurde 1 cm distal des Tibiaplafonds erfasst.
Ergebnisse: Das mediane Alter betrug 79 Jahre (61–96 Jahre). 77% der Patienten waren weiblich. 7 Patienten wiesen Begleitverletzungen auf, von denen 4 mittels zusätzlicher Osteosynthesen adressiert wurden. 1 cm oberhalb des Gelenkspaltes betrug die fibulo-tibiale Distanz anterior 2,5 mm (2,0–2,7), posterior 5,3 mm (4,7–6,9) und zentral 3,2 mm (3,1–4,1), jeweils Median mit Interquartilsabstand. Bei allen Patienten konnte eine symmetrische Konfiguration des medialen und lateralen Gelenkspaltes erzielt werden.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die intraoperative 3D-Bildgebung ermöglicht eine standartisierte quantitative Beurteilung der Syndesmosenstellung bei der Versorgung von OSG-Frakturen mittels Verriegelungsnagel. In unserer überwiegend geriatrischen Kohorte zeigt sich eine regelrechte tibio-fibuläre Relation bei durchgehend symmetrischer Gelenkspaltkonfiguration. Die Methode stellt eine effektive intraoperative Qualitätskontrolle dar. Die beobachteten quantitativen Parameter liegen in der Größenordnung, die in der Literatur zur Syndesmosenstellung zu finden sind. Die Arbeit gibt Hinweise darauf, dass mit der minimalinvasiven Versorgung von OSG-Frakturen auch ohne offene Reposition eine zufriedenstellende Syndesmosenstellung erreicht werden kann, die intraoperativ standardisiert mittels 3D-Bildgebung beurteilt werden sollte.



