Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Korreliert der DOAK-Spiegel bei hüftgelenksnahen Frakturen mit dem Blutverlust?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: 30% aller geriatrischen hüftgelenksnahen Frakturen nehmen DOAKs ein. DOAKs führen bei proximalen Femurfrakturen zu verlängerten Wartezeiten bis zur Operation und erhöhtem Blutverlust. Leitlinien für den perioperativen Umgang mit DOAKs fehlen in der Unfallchirurgie. Ziel war es, die Plasmakonzentrationen der DOAKs bei Aufnahme und zum Zeitpunkt der Operation zu ermitteln, um einen Zusammenhang zum perioperativen Blutverlust und Transfusionsbedarf zu analysieren.
Material und Methoden: Es handelt sich um eine prospektive single center Studie an einem Level 1 Traumazentrum. Eingeschlossen wurden 66 Patient:innen > 65 Jahre mit proximaler Femurfraktur unter DOAK-Therapie. Die OP erfolgte gemäß einer hausinternen SOP in den ersten 24-48 h in Abhängigkeit der GFR. Bei Aufnahme und zum Zeitpunkt OP wurde die DOAK-Plasmakonzentration bestimmt. Des Weiteren wurden Retentionsparameter und Transfusionsbedarf erhoben und der Blutverlust anhand der Mercuriali Formel berechnet. Die statistische Auswertung mit Korrelationen, T-Test Vergleich sowie ANOVA erfolgte mit SPSS. Evidenzgrad C.
Ergebnisse: Die 66 Patienten wurden anhand des Spiegelwertes zum Zeitpunkt der Operation in 3 Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 0–30 ng/ml (32 Patienten), Gruppe 2 30–50 ng/ml (18 Patienten) und Gruppe 3 >50 ng/ml (16 Patienten). Bezüglich des Blutverlustes zeigte sich zwischen den o.g. Gruppen ein signifikanter Unterschied (Gr 1: 142,9 ml; Gr 2: 287,8 ml, Gr 3: 384,3 ml; p<0,04). Es zeigte sich eine positive Korrelation zwischen dem totalen Blutverlust und dem DOAK-Spiegel zur Operation (p<0,003). Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Anzahl transfundierter EKs und der Spiegelkonzentration zur OP (p<0,004). Zudem hatten Patienten mit benötigter Transfusion im Schnitt einen höheren DOAK-Spiegel zur OP (31,0 vs. 49,6 ng/ml; p<0,021). Keine signifikante Korrelation zeigt sich zwischen Nierenfunktion (GFR-CDK-EPI) und des Abfalls des DOAK-Spiegels zwischen Aufnahme und OP-Tag (Delta DOAK Konzentration) (r = 0,069; p = 0,31). Zwischen dem Delta des DOAK-Spiegels und der Time to Surgery hingegen zeigte sich eine signifikante Positivkorrelation (r = 0,38; p = 0,0019).
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Blutverlust zeigt eine deutliche Abhängigkeit von der DOAK-Konzentration zum direkten Zeitpunkt der Operation. Während die Nierenfunktion nicht mit dem Abfall des Spiegels ab Aufnahme korreliert, zeigt die Wartezeit zur Operation einen signifikanten Zusammenhang. Eine Wartezeit anhand von Nierenwerten, wie in der Literatur gängig beschrieben, scheint ungeeignet, während eine generelle Wartezeit von 24 h seit der letzten Einnahme ein standardisiertes Vorgehen sein könnte bei Patienten mit proximaler Femurfraktur und DOAK, um ein adäquates Absinken des Spiegels und auch des Blutverlustes zu ermöglich.



