Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Einfluss einer additiven Femoralisblockade auf das subjektive und funktionelle Outcome nach isolierter vorderer Kreuzbandrekonstruktion mit Hamstringsehnen-Plastik
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Bei der arthroskopischen Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands (VKB-R) bildet die Femoralisblockade (FB) eine zusätzliche Regionalanästhesie zur perioperativen Schmerztherapie. Es gibt Hinweise, dass die FB akute Funktionsverluste bewirkt und mit persistierenden Quadrizepsdefiziten > 3 Monate nach VKB-R assoziiert ist. Jedoch ist die verfügbare Evidenz methodisch heterogen und insgesamt von begrenzter Qualität. Daher war das Ziel dieser Studie, die Effekte einer zur Allgemeinanästhesie additiven FB auf patientenberichtete Outcome-Parameter (PROMs) und die isokinetische Kniemuskelkraft nach VKB-R zu untersuchen.
Material und Methoden: Es handelte sich um eine nicht-randomisierte, vergleichende Kohortenstudie mit historischem Kontrollkollektiv. Die Interventionsgruppe mit FB (FEMO) umfasste 40 prospektiv rekrutierte Patient*Innen (2020–2022). Als Kontrollgruppe ohne FB (KON) diente eine zuvor erhobene Kohorte von 110 Patient*Innen, die analog zu FEMO von 2016 bis 2019 untersucht wurde. Alle Patient*Innen erhielten eine isolierte VKB-R mit autologer Hamstringsehnen-Plastik. Zur Kontrolle potentieller Störfaktoren wurde eine 1:1-Matched-Pair-Analyse anhand fixer Kriterien (Geschlecht, Raucherstatus, Leistungsniveau) und Kriterien mit definiertem Toleranzbereich durchgeführt (Alter: ±10 Jahre, BMI: ±5 kg/m2, Time-to-Operation, TTO: ±180 Tage). Gemäß a-priori Poweranalyse (n=34; α=.05, 1-β=.80, f=.25) wurden 35 Patient*Innen pro Gruppe in die finale Analyse eingeschlossen (FEMO vs. CON; Alter: 31.6±10.9 vs. 32.6±11.8 Jahre, BMI: 25.4±2.5 vs. 24.6±2.1 kg/m2, TTO: 50.6±52.2 vs. 61.0±46.7 Tage). Vor (T0) sowie 4 (T4) und 6 Monate (T6) nach VKB-R wurden PROMs (IKDC-, Lysholm- und Tegner-Score, ACL-RSI Skala) und die isokinetische Kraft der Kniestrecker (EXT) und Kniebeuger (FLEX) mittels Limb-Symmetry-Index (LSI [%]) erfasst. Teilnahmekriterien waren für beide Gruppen identisch.
Ergebnisse: ANOVA zeigte signifikante Zeiteffekte (p<0.001, η²=0.315-0.451) mit einem Anstieg der IKDC- und Lysholm-Werte von T0 zu T4 und T6. Hierbei ergaben sich keine Gruppen- oder Interaktionseffekte (p>0.05). Unabhängige T-Tests zeigten zu T6 keine signifikanten Gruppenunterschiede in der ACL-RSI Skala (p=0.358, d=0.223) und im Tegner-Score (p=0.400, d=0.170). ANOVA ergab signifikante Zeiteffekte (p<0.001, η²=0.037-0.050) mit einer Verbesserung der LSIs in EXT und FLEX von T4 zu T6. ANOVA zeigte keine Gruppen- oder Interaktionseffekte bei den LSIs (p>0.05).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die additive FB hatte keinen negativen Einfluss auf patientenberichtete Outcomes (IKDC, Lysholm), die mentale Rückkehrbereitschaft in den Sport (ACL-RSI), das Aktivitätsniveau (Tegner) oder die isokinetische Kniemuskelkraft 4 und 6 Monate nach VKB-R. Beide Gruppen (FEMO und KON) zeigten ähnliche Verbesserungen der Kniefunktion sowie eine Reduktion der Kraftdefizite (LSIs), insbesondere der Kniestrecker. Die perioperative Analgesie mittels FB scheint somit die subjektiven und funktionellen Ergebnisse in den ersten 6 Monaten nach VKB-R nicht zu beeinträchtigen.



