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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

KI-gestützte, App-basierte Handrehabilitation verkürzt die Arbeitsunfähigkeit von Handverletzungen – Ergebnisse einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studie

Simon Bauknecht - Sektion Hand-, Plastische und Mikrochirurgie, Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Ulm, Deutschland
Daniel Vergote - Sektion Hand-, Plastische und Mikrochirurgie, Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Ulm, Deutschland
Martin Mentzel - Sektion Hand-, Plastische und Mikrochirurgie, Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Ulm, Deutschland
Michael Lebelt - Sektion Hand-, Plastische und Mikrochirurgie, Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Ulm, Deutschland
Richard-Tobias Moeller - Sektion Hand-, Plastische und Mikrochirurgie, Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie, Ulm, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit nach Handverletzungen ist ein zentrales Ziel der Rehabilitation mit hoher individueller und gesundheitsökonomischer Relevanz. Digitale Therapieanwendungen halten zunehmend Einzug in den klinischen Alltag, jedoch fehlen bisher Daten zum Einfluss solcher Technologien auf alltagsrelevante Parameter, wie die Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob eine KI-gestütze, App-basierte Handtherapie zusätzlich zur Standardversorgung die Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach operativ versorgten Handverletzungen im Vergleich zur alleinigen Standardversorgung reduzieren kann.

Material und Methoden: In einer prospektiven, monozentrischen, randomisierten, kontrollierten Studie wurden 105 berufstätige Patienten (18–65 Jahre) mit Handverletzungen eingeschlossen (Mittelhand- und Fingerfrakturen, Beuge- und Strecksehnenverletzungen). Die Interventionsgruppe (IG) erhielt die Standardversorgung sowie zusätzlich einen 12-wöchigen Zugang zur KI-Handtherapie-App Novio Hand. Die Kontrollgruppe (KG) erhielt ausschließlich die Standardversorgung. Die AU wurde anhand ärztlich bescheinigter Krankheitstage quantifiziert. Die statistische Auswertung erfolgte indikationsübergreifend sowie hinsichtlich der Einflussfaktoren (1) betroffene Hand (dominante Hand betroffen/nicht dominante Hand betroffen) oder (2) berufliche Tätigkeit (körperliche schwere Tätigkeit/belastungsarme Tätigkeit) mittels Wilcoxon-Test, t-Test und ANOVA (α = 0,05).

Ergebnisse: Die IG wies eine signifikant kürzere AU auf als die KG (IG: 43,8 ± 28,7 vs. KG: 56,5 ± 32,5 Tage; p = 0,03), entsprechend einer Reduktion um durchschnittlich 13 Tage (−22%). Bei Mittelhandfrakturen zeigte sich ein besonders ausgeprägter Effekt mit einer signifikant kürzeren AU um 44% (IG: 27,2 ± 17,2 vs. KG: 48,4 ± 23,1 Tage; p = 0,01). Subgruppenanalysen ergaben einen signifikanten Nutzen der Handtherapie-App bei Patienten mit Verletzung der nicht-dominanten Hand (IG: 36,4 ± 26,1 vs. KG: 62,1 ± 34,9 Tage; p = 0,001) sowie bei Patienten mit körperlich belastungsarmen Tätigkeiten (IG: 28,1 ± 17,3 vs. KG: 46,4 ± 20,6 Tage; p = 0,033).

Diskussion und Schlussfolgerung: Die ergänzende Anwendung der KI-gestützen, App-basierten Handtherapie verkürzt die Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach operativ versorgten Handverletzungen signifikant. Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei Mittelhandfrakturen sowie bei Verletzungen der nicht-dominanten Hand und bei körperlich belastungsarmen Tätigkeiten. Die beobachtete Reduktion der Arbeitsunfähigkeit um durchschnittlich 13 Tage entspricht nach BAuA-Schätzungen (~260 € Bruttowertschöpfungsverlust pro AU-Tag) einer potenziellen Entlastung von rund 3.400 € pro Patient. Bereits bei Versorgung von 25% der jährlich betroffenen Handverletzten (~80.000 Patienten) ergäbe sich rechnerisch eine Einsparung von >1 Mio. AU-Tagen bzw. 270 Mio. € jährlich. Damit weist die digitale Therapie neben dem klinischen Effekt ein relevantes gesundheitsökonomisches Potenzial als Ergänzung zur Standardversorgung auf.