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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Ganglabor in der Praxis? Validierung einer 2D videobasierten Bewegungsanalyse bei Patient:innen mit Kniegelenksarthrose

Mathis Wegner - Orthopaedic Research Center, Christian Albrechts Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel, Kiel, Deutschland
Madita Molt - Orthopaedic Research Center, Christian Albrechts Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel, Kiel, Deutschland
Clint Hansen - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel, Kiel, Deutschland
Babak Moradi - Orthopaedic Research Center, Christian Albrechts Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel, Kiel, Deutschland
Peter Behrendt - Orthopaedic Research Center, Christian Albrechts Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel, Kiel, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Bewegungsanalysesysteme sind ein zentrales Instrument zur objektiven Beurteilung pathologischer Bewegungsmuster in der Gelenkchirurgie, jedoch sind die meisten Messverfahren aufwändig und kostenintensiv. Markerlose 2D videobasierte Analyseverfahren könnten die Anwendung in der klinischen Routine vereinfachen. Ziel dieser Pilotstudie war es, die Übereinstimmung eines 2D-videobasierten Systems mit einem markerlosen 3D-Referenzsystem hinsichtlich spatiotemporaler und sagittaler kinematischer Gangparameter bei Patient:innen mit Gonarthrose zu evaluieren.

Material und Methoden: Bei 35 Patient:innen mit klinisch und radiologisch gesicherter Kniearthrose (Kellgren–Lawrence ≥2) wurden Laufbandmessungen mit einer App auf einem IPad (Orthelligent® VISION, OPED) und einem zwölfkamerabasierten markerlosen Bewegungsanalysesystem (Qualisys) durchgeführt. Erfasst wurden spatiotemporale Parameter (Kadenz, Geschwindigkeit, Schrittlänge, Stand‑ und Doppelstützzeit) sowie sagittale Gelenkwinkel an Hüfte, Knie und Sprunggelenk beider Seiten über den gesamten Gangzyklus (0–100%). Diskrete Parameter wurden mittels Intraklassenkorrelationskoeffizienten ICC (2,1) und Bland–Altman-Analysen verglichen. Kontinuierliche Winkelverläufe wurden mit einer eindimensionalen statistischen parametrischen Kartierung (SPM1D) ausgewertet und zusätzlich auf 0° bei Initialkontakt normalisiert.

Ergebnisse: Für Kadenz, Ganggeschwindigkeit und Schrittlänge zeigte sich eine gute bis exzellente Übereinstimmung zwischen dem 2D-Videoanalyseverfahren und dem Referenzsystem mit ICC-Werten von 0,74–0,95, geringen mittleren Bias und überwiegend klinisch akzeptablen Limits of Agreement. Die Doppelstützphase wies eine geringe Reliabilität auf und Schritt- und Standzeiten zeigten ICC-Werte nahe 0 mit weit gefassten Konfidenzintervallen. Die sagittale Kniekinematik zeigte eine gute (ICC 0,68), Sprunggelenk und Hüfte eine geringe relative Reliabilität. Bland-Altman-Analysen belegten einen globalen Offset des 2D Videoanalyseverfahren, der durch 0° Normalisierung kompensiert wurde. Nach Normalisieriung zergab die sagittalen Kniekinematik auf beiden Seiten moderate bis gute ICC-Werte (ICC 0,57–0,74) mit engen Konfidenzintervallen und hochsignifikanten F-Tests (p ≤ 10-⁵). Das SPM1D-Mapping nach 0° Normalisierung zum Initialkontakt zeigte nur geringe, phasenspezifische Unterschiede.

Diskussion und Schlussfolgerung: Das 2D-videobasierte System zeigt bei Patient:innen mit Kniegelenksarthrose eine gute bis exzellente Übereinstimmung zentraler spatiotemporaler Parameter und liefert nach 0°-Normalisierung am Initialkontakt eine klinisch gut interpretierbare Darstellung der sagittalen Kniekinematik mit nur geringen, phasenspezifischen Abweichungen zum markerlosen 3D-Referenzsystem. Damit erscheint die App insbesondere für die Beurteilung des kniegelenkbezogenen Gangbildes in der klinischen Routine und im Verlaufsmonitoring vielversprechend, während kinematische Parameter am Sprung- und Hüftgelenk in individuellen Therapieentscheidungen zurückhaltender bewertet werden sollten.