Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Bias bei Prognose-Scores: Wenn extreme Rettungszeiten scheinbar das Outcome von Schwerverletzten beeinflussen
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Zielsetzung und Fragestellung: Eigentlich gehen wir davon aus, dass eine möglichst kurze präklinische Phase mit einem besseren Outcome derPatienten einhergeht. Eine orientierende Analyse des TraumaRegister DGU®(TR-DGU) zeigt aber genau Gegenteiliges: Patienten mit einer längeren präklinischen Zeit scheinen tendenziell ein besseres Outcome zu haben. Zu unterstellen ist ein Bias im RISC III, so dass in der folgenden Registerarbeit die tatsächliche und prognostische Mortalität nach Dauer der präklinischen Phase betrachtet worden ist.
Material und Methoden: In der vorliegenden Studie aus dem TR-DGU wurden 151.007 Fälle der DACH-Region aus den Jahren 2015–2024 analysiert. Es wurden Untergruppen hinsichtlich der Rettungszeit gebildet im Abstand von jeweils 30 Minuten, wobei der erste Zeitraum noch detaillierter unterteilt wurde (1–15 und 16–30 Minuten). In diesen Gruppen wurden dann die Parameter Transportart, Zielkliniken, Unfallmechanismus, Alter der Unfallopfer und Mortalität gegenübergestellt.
Ergebnisse: Die deskriptive Betrachtung der Dauer der präklinischen Phase ergibt eine durchschnittliche Rettungszeit von 66,2 min (± 27,4 min), der Median liegt bei 62 min – mit tendenzieller Zunahme um ca. 7 min im Laufe der letzten 10 Jahre. Weiterhin auffällig ist eine relevant höhere Sterblichkeit der ersten Gruppe (< 15 min) im Vergleich zu Patienten, die etwas später eingeliefert wurden. Die Gruppe mit der längsten Rettungszeit (>180 min) hat die günstigste Prognose, die Schockraumphase zu überleben. Bemerkenswert ist schließlich die höchste Diskrepanz von kalkulierter (RISC III) und tatsächlicher Mortalität für die frühen und späten Gruppen (Abbildung 1 [Abb. 1]).
Diskussion und Schlussfolgerung: Schlussfolgernd kommt es bei sehr kurzer oder langer Transportzeit zu einer auffälligen Diskrepanz von beobachteter und erwarteter Mortalität. Die Diskussion bezieht sich dementsprechend auf die Patienten, die die Klinik sehr früh erreichen, weil die Sterblichkeit in den ersten Minuten erhöht ist; bei längerer Anfahrt wären einige Patienten präklinisch verstorben. Bei sehr später Zuweisung haben die Patienten die kritischen ersten 1-2 Stunden bereits überlebt. Dies spricht für ein Selektionsbias. Trotzdem können diese Trends für die Einordnung der eigenen Traumaregister-Daten der Kliniken von Relevanz sein.




