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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Vergleich radiologischer MRT-Befunde mit der intraoperativen Darstellung bei Verletzungen des Glenohumeralgelenks – eine retrospektive Kohortenstudie

Fabian Wesemann - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie am Klinikum Köln-Merheim, Köln, Deutschland
Rolf Lefering - Institut für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM), Köln, Deutschland
Paola Kappel - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie am Klinikum Köln-Merheim, Köln, Deutschland
Jill Dicke - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie am Klinikum Köln-Merheim, Köln, Deutschland
Arasch Wafaisade - Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie am Klinikum Köln-Merheim, Köln, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Zur Indikationsstellung in der arthroskopischen Schulterchirurgie spielt die MRT als Goldstandard der Bildgebung mit hohen Sensitivitäten und Spezifitäten eine zentrale Rolle. Die radiologische Befundung der MRT-Bilder durch meist ambulante radiologische Zentren zeigt sich allerdings zu den intraoperativ festgestellten Verletzungsmustern häufig different. Nicht beschriebene Krankheitsbilder sind insbesondere in Gutachtenverfahren höchst relevant. Das Ziel dieser Studie war es, Krankheitsbilder zu identifizieren, die in der ambulanten MRT-Befundung in größeren Anteilen nicht beschrieben werden.

Material und Methoden: 86 konsekutiv schulterarthroskopisch versorgte Patient*innen mit zuvor durchgeführter MRT-Bildgebung wurden rekrutiert. Intraoperative Verletzungsmuster und radiologische Befunde wurden verglichen. Verletzungen des Labrums, des SLAPs, des M. supraspinatus (SSP), des M. subscapularis (SSC) und des M. infraspinatus (ISP) wurden betrachtet. Mit dem intraoperativen Befund als Goldstandard wurden mit Hilfe von statistischen Analysen und Kreuztabellen Prävalenz, Sensitivität, Spezifität, Positiver- und Negativer-Vorhersagewert der MRT-Befunde bestimmt.

Ergebnisse: Arthroskopisch zeigten sich 14 Verletzungen des Labrums, 46 des SLAPs, 53 des SSP, 34 des SSC und 14 des ISP. Bei Verletzungen des Labrums hatte der MRT-Befund eine Sensitivität von 85,7% und eine Spezifität von 100%. Verletzungen des SLAPs wurden mit einer Sensitivität von 21,7% (95%-KI 9,8–33,7) und einer Spezifität von 90% identifiziert. Verletzungen des SSP wurden mit einer Sensitivität von 88,7% und einer Spezifität von 84,8% beschrieben. SSC-Verletzungen hatten eine Sensitivität von 44,1% (95%-KI 27,4–60,8) und eine Spezifität von 96,2%. ISP-Verletzungen zeigten eine Sensitivität von 57,1% (95%-KI 31,2–83,1) und eine Spezifität von 90,3%.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die ermittelte Spezifität ist bei allen untersuchten Verletzungsmustern hoch und entspricht den in der Literatur angegebenen Werten. Die Sensitivitäten für Labrum- und SSP-Verletzungen in den vorliegenden MRT-Befunden stimmen mit den in der Literatur beschriebenen Ergebnissen überein. Hingegen zeigt sich die Sensitivität insbesondere von SLAP- und SSC-Läsionen in unserer Untersuchung deutlich geringer als in der sonstigen Literatur. Die Sensitivität von ISP-Läsionen ist in unserer Untersuchung ebenfalls geringer, bei lediglich 14 Patient*innen und großen Konfidenzintervall allerdings mit begrenzter Aussagekraft. In den radiologischen Befunden wurden somit selten falsch positive Befunde erhoben, allerdings häufiger Diagnosen nicht dokumentiert. Anhand dieser Daten empfehlen wir bei der Vorstellung von Patient*innen oder bei Gutachtertätigkeiten, die von Patient*innen mitgeführten MRT-Befundberichte kritisch zu hinterfragen.