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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Ein erhöhter medialer posteriorer tibialer Slope ist mit patellofemoralen Knorpelläsionen assoziiert: Eine Matched-Pair Case-Control Studie

Stephan Oehme - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Danko Dan Milinkovic - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
José Arteaga Correa - Facultad de Medicina Clínica Alemana – Universidad del Desarrollo, Santiago de Chile, Chile
Moses Kamal Dieter El Kayali - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Felix Otto Wolf - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Clemens Gwinner - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Tobias Winkler - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland; Berlin Institute of Health – Center for Regenerative Therapies at Charité, Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Tobias Jung - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Der mediale posteriore tibiale Slope (MPTS) gilt als einer der zentralen anatomischen Parameter, der die biomechanischen Eigenschaften und die Lastverteilung im Kniegelenk beeinflusst. Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob ein erhöhter MPTS mit Knorpelläsionen in unterschiedlichen anatomischen Regionen assoziiert ist, einschließlich der medialen und lateralen Femurkondyle, der Trochlea sowie der retropatellaren Gelenkfläche.

Material und Methoden: Zwischen 09/2013 und 02/2024 wurden 501 Patientinnen und Patienten mit Knorpelläsionen des Kniegelenks an einem universitären Zentrum mittels matrixinduzierter autologer Chondrozytenimplantation (MACI) behandelt. Nach Ausschluss von Fällen ohne adäquate seitliche Röntgenaufnahmen, mit unzureichender Tibiaschaftlänge sowie von Patientinnen und Patienten mit Varus oder Valgus Fehlstellung über 3°, hochgradiger Trochleadysplasie (Typ B–D nach Dejour Klassifikation) und systemischen Erkrankungen wurden insgesamt 280 Patientinnen und Patienten eingeschlossen. Jeder Fall wurde mittels 1:1 Matching nach Alter und Geschlecht mit gesunden Kontrollprobanden verglichen. Der MPTS wurde auf seitlichen Röntgenaufnahmen nach der Methode nach Dejour bestimmt. Die Messungen wurden unabhängig von drei verblindeten Untersuchern durchgeführt. Für die Analyse wurde der Mittelwert verwendet. Die Interrater Reliabilität wurde mittels Intraklassen Korrelationskoeffizient (ICC) bestimmt. Subgruppenanalysen erfolgten in Abhängigkeit von der Lokalisation der Läsion (mediale oder laterale Femurkondyle, Trochlea, retropatellar) unter Verwendung eines Many to one Matching Designs. Gruppenvergleiche wurden mit ungepaarten t Tests durchgeführt. Effektstärken wurden anhand von Cohen’s d berechnet.

Ergebnisse: Patientinnen und Patienten der MACI Gruppe zeigten einen signifikant höheren MPTS im Vergleich zur Kontrollgruppe (n = 280 vs. 280; 9,73° vs. 8,92°; p < 0,001). Die Interrater Reliabilität war exzellent (ICC = 0,921). In den Subgruppenanalysen zeigte sich ein signifikant erhöhter MPTS bei Patientinnen und Patienten mit retropatellaren Läsionen (n = 100 vs. 200; 9,91° vs. 8,98°; p = 0,009; Cohen’s d = 0,323) sowie bei Trochlealäsionen (n = 34 vs. 68; 10,12° vs. 8,50°; p = 0,012; Cohen’s d = 0,540). Keine statistisch signifikanten Unterschiede fanden sich bei Läsionen der medialen Femurkondyle (n = 73 vs. 146; 9,17° vs. 9,02°; p = 0,708; Cohen’s d = 0,054) oder der lateralen Femurkondyle (n = 36 vs. 72; 9,96° vs. 8,95°; p = 0,083; Cohen’s d = 0,357).

Diskussion und Schlussfolgerung: Ein erhöhter MPTS war signifikant mit Knorpelläsionen im patellofemoralen Kompartiment assoziiert, jedoch nicht mit Knorpelläsionen der femoralen Kondylen. Dies weist auf einen kompartimentspezifischen Zusammenhang zwischen dem MPTS und Knorpelläsionen im Kniegelenk hin. Die Identifikation des MPTS als anatomischer Risikofaktor könnte die frühzeitige Risikostratifizierung unterstützen und eine individualisierte Diagnostik und Therapieplanung ermöglichen.