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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Der posteriore tibiale Slope als diametaphysäre Fehlstellung? Analyse des tibialen Bowings bei Patienten mit VKB-Rerupturen

Oliver Swietek - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Klinikum Dortmund, Universität Witten/Herdecke, Dortmund, Deutschland; Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Peter Kortlang - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Christian Peez - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Thorben Briese - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Adrian Deichsel - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Luca Gellert - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Klemens Horst - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Christoph Kittl - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland
Elmar Herbst - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Ziel der Studie war es, die Prävalenz eines tibialen Bowings (TB) als diaphysären Einflussfaktor bei Patient:innen mit VKB-Rerupturen zu bestimmen und den Einfluss unterschiedlicher Messmethoden des posterioren tibialen Slope (PTS) zu analysieren. Die Hypothese war, dass ein hohes TB dazu führt, dass die PTS-Werte unter Einbezug der distalen Tibia zunehmen.

Material und Methoden: Das TB und der PTS wurden an seitlichen Röntgenaufnahmen des gesamten Unterschenkels bei 88 Patienten:innen (57 männlich, 31 weiblich; Alter im Schnitt: 30,1 ± 8,5) mit einer VKB-Re-Ruptur von 2 Untersuchern gemessen. Der PTS wurde anhand dreier etablierter Messmethoden (Dejour (D), Han (H) und mechanische Achse (M)) gemessen. Als Qualitätskriterium der Aufnahmen wurde die Malrotation der Femurkondylen zueinander vermessen.

Ergebnisse: In Anlehnung an die Vorarbeit von Gwinner et al. wurden Röntgenbilder mit einer Malrotation > 5 mm (n = 30/88) aus der Bewertung ausgeschlossen, sodass 58 Röntgenaufnahmen in die Auswertung eingeschlossen werden konnten. Der PTS unterschied sich zwischen den einzelnen Messmethoden im Mittel (D: 9,8° ± 3,6°, H: 11,7° ± 4,1°, M: 9,2° ± 3,9°) signifikant (p < 0,001). Im Mittel ergab sich ein TB von 2,4° ± 2,5° bei großer Spannweite (min.: -2,6°, max.: 10,3°). Die Inter- und Intraklassenreliabilität war sehr gut für D (ICC 0,99/0,94), H (0,99/0,95), M (0,98/0,9) und die Messung des TBs (ICC 0,97/0,91). In der Korrelationsanalyse zeigte sich ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen dem TB und allen Messmethoden (Pearson-Korrelation für D: 0,38; p = 0,003; für H: 0,6; p < 0,001; für M: 0,6; p < 0,001). Anhand der Standardabweichung wurde ein überdurchschnittlich hohes TB bei einem Wert ab 5° (MW + 1SD) angenommen. In Fällen mit einem hohen TB (n = 10/58, d.h. in 17,2% der Fälle) nahmen die Differenzen des PTS an der proximalen Tibia und der distalen Tibia (Differenz Slope D-H bei TB < 5°: -1,5, bei TB > 5°: -3,5; Differenz D-M: bei TB < 5°: 0,9, bei TB > 5°: -0,8) signifikant (p < 0,05) zu. Zwischen H und M gab es keinen signifikanten Unterschied.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die verschiedenen Messmethoden zur Eruierung des PTS unterscheiden sich signifikant voneinander. Aktuell bekannte Grenzwerte bezüglich einer eventuellen Indikation zur Slopekorrektur beziehen sich auf Messmethoden, welche das tibiale Bowing nicht berücksichtigen. Im Sinne der Mechanik wäre es jedoch in Betracht zu ziehen, den tibialen Slope mit ggf. Etablierung neuer Grenzwerte unter Berücksichtigung der gesamten Tibialänge zu messen.