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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Von Konsens zur klinischen Praxis: Adhärenz zu den WSES/EANS-Empfehlungen bei Polytrauma mit traumatischer Rückenmarkverletzung – Analyse des TraumaRegister DGU

Oliver Kamp - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Maximilian Wolf - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Ramona Lehmann - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Christoph Neumann - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Lars Becker - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
Marcel Dudda - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die frühzeitige Versorgung von Polytraumapatienten mit traumatischer Rückenmarkverletzung (tSCI) erfordert neben Damage-Control-Strategien eine konsequente Neuroprotektion. Die von der (WSES) und der (EANS) vereinbarten 17 Empfehlungen adressieren hämodynamische Zielwerte, Bildgebung, Gerinnungsmanagement sowie den Operationszeitpunkt innerhalb der ersten 24 Stunden. Ziel dieser Studie ist die Bewertung der praktischen Umsetzung ausgewählter Kernempfehlungen im klinischen Alltag sowie deren Zusammenhang mit Outcome-Parametern.

Material und Methoden: Retrospektive Analyse des (2014–2024). Eingeschlossen wurden Patienten ab 16 Jahren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit AIS Spine ≥4 und ICU-Behandlung. Frühverlegte (<48 h) wurden ausgeschlossen. Der primäre Endpunkt war die Einhaltung der definierten Empfehlungen, darunter CT innerhalb von 30 Minuten, Operation innerhalb von 24 Stunden, MAP über 85 mmHg, Hämoglobin über 7 g/dl, Gerinnungsparameter und Oxygenierung. Sekundäre Endpunkte umfassten die Krankenhausmortalität sowie Komplikationen. Die statistische Analyse erfolgte mittels Chi-Quadrat- und Mann-Whitney-U-Test (p<0,05).

Ergebnisse: 5.950 Patienten aus 356 Zentren wurden analysiert. Die präklinische ärztliche Versorgung erfolgte in 96,2%. Ein CT innerhalb von 30 Minuten wurde in 85,9% durchgeführt, eine Operation <24 h in 82,7%. Die MAP-Zielerreichung >85 mmHg lag bei 61,1%. Ein Hb >7 g/dl wurde in 98,3% eingehalten. Die empfohlene PaO2-Spanne (60–100 mmHg) wurde lediglich in 10,4% erreicht. Gerinnungs-POC-Diagnostik (ROTEM) erfolgte in 14,3%. Massive-Transfusion-Protokolle wichen vom empfohlenen 1:1:1-Schema ab. 85,4% der Patienten wurden in Level-1-Zentren behandelt.

Diskussion und Schlussfolgerung: Strukturelle und diagnostische Empfehlungen werden im deutschsprachigen Raum weitgehend umgesetzt. Deutliche Defizite bestehen jedoch bei den physiologischen Zielparametern und im Gerinnungsmanagement. Insbesondere die konsequente Vermeidung von Hypotonie und inadäquater Oxygenierung bietet ein relevantes Optimierungspotenzial. Registerbasierte Analysen ermöglichen die Evaluation konsensbasierter Empfehlungen und liefern Ansatzpunkte zur Verbesserung der frühen Neurotraumaversorgung.