Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Behandlung und Outcome osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen vom Typ OF2
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen führen zunehmend zu klinischen und sozioökonomischen Herausforderungen. Bei der Behandlung dieser Frakturen sollen die OF-Klassifikation und der zugehörige Therapie-Score Therapieentscheidungen unterstützen. Ziel dieser Studie war die Analyse der Behandlungsstrategien bei osteoporotischen thorakolumbalen OF2-Frakturen mit besonderem Fokus auf die klinischen und funktionellen Ergebnisse der konservativen im Vergleich zur operativen Therapie sowie auf Prädiktoren für eine Entscheidung zur Operation.
Material und Methoden: In die prospektive multizentrische Studie (EOFTT, 2017–2020) wurden 518 konsekutive Patienten mit osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen eingeschlossen, die in siebzehn Wirbelsäulenzentren behandelt wurden. Für diese Subgruppenanalyse der EOFTT-Studie wurden ausschließlich Patientinnen und Patienten mit OF2-Frakturen und einem Mindest-Follow-Up (FU) von sechs Wochen berücksichtigt. Klinische und funktionelle Parameter (Schmerz, ODI, TuG, EQ-5D-5L, Komplikationsraten) wurden prätherapeutisch, bei Entlassung sowie beim letzten verfügbaren FU erhoben.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 122 Patienten mit OF2-Frakturen analysiert (73 ± 10 Jahre; 79% weiblich). 52% der Patienten wurden konservativ und 48% operativ behandelt. Die operative Therapie erfolgte überwiegend mittels Zementaugmentation (82%). Operativ behandelte Patienten wiesen zum Zeitpunkt der Therapieentscheidung signifikant höhere OF-Scores, stärkere Schmerzen und eine ausgeprägtere funktionelle Einschränkung auf (p<0,026). Die konservative Therapie war mit einer kürzeren Verweildauer im Krankenhaus und einer geringeren Komplikationsrate assoziiert (2% vs. 12%, p=0,029). Beide Gruppen zeigten im FU signifikante Verbesserungen in allen funktionellen Endpunkten. Zum FU berichteten operativ behandelte Patienten jedoch weiterhin über höhere Schmerzwerte (p=0,007), eine stärkere funktionelle Einschränkung (ODI; p=0,046), niedrigere EQ-5D-5L-Indexwerte (p=0,027) sowie eine höhere Rate an Folgefrakturen (p=0,017) im Vergleich zur konservativ behandelten Gruppe.
Diskussion und Schlussfolgerung: Trotz ihrer morphologischen Stabilität wurden OF2-Frakturen in nahezu der Hälfte der Fälle operativ versorgt, wobei die Therapieentscheidung maßgeblich von der Symptomschwere und den funktionellen Einschränkungen beeinflusst wurde. Da die funktionellen Ergebnisse im FU zwischen den Gruppen vergleichbar waren, die operative Therapie jedoch mit höheren Komplikations- und Refrakturraten einherging, erscheint ein primär konservatives Vorgehen gerechtfertigt. Operative Maßnahmen sollten sorgfältig ausgewählten Patienten vorbehalten bleiben.



