Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Langzeitergebnisse der inversen Schulterendoprothetik bei Frakturfolgezuständen des proximalen Humerus nach 10 Jahren
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die inverse Schulterendoprothetik (RSA) stellt eine etablierte Methode zur Behandlung von Frakturfolgezustände des proximalen Humerus dar. Diese gehen aufgrund der veränderten Anatomie häufig mit Deformitäten des Schultergelenks einher und stellen eine Herausforderung in Rekonstruktion und endoprothetischer Versorgung dar. Bisher gibt es wenig Evidenz für langfristige klinische und radiologische Ergebnisse für RSA bei Patienten mit Frakturfolgezuständen.
Material und Methoden: Patienten mit einem Mindest-Follow-Up von 5 Jahren, die eine RSA bei Frakturfolgezuständen erhielten und in einer prospektiv geführten Datenbank dokumentiert waren, wurden eingeschlossen und langfristig nachuntersucht. Das revisionsfreie Implantatüberleben wurde nach Kaplan-Meier untersucht und Unterschiede zwischen Gruppen mit dem Log-rank Test ermittelt. Die klinischen Ergebnisse wurden anhand des Constant-Murley-Scores (CMS), des Bewegungsausmaßes (ROM), des Subjective Shoulder Values (SSV) und von Zufriedenheitsfragebögen beurteilt. Der Vergleich von Gruppenmittelwerten erfolgte mit dem t-Test für normalverteilte Daten. Das Signifikanzniveau wurde aufp<0,05festgelegt.
Ergebnisse: Von insgesamt 67 Patienten wurden 6 revidiert, 14 Patienten waren mit erhaltenem Implantat verstorben, 8 Patienten waren „lost to Follow-Up“, 38 konnten langfristig nachuntersucht werden. Das kumulative revisionsfreie Implantatüberleben betrug 89,6% (95% CI: 78,4 – 95,3) nach 10 Jahren. Weder die Boileau-Typen noch die Art der Vorversorgung (Osteosynthese, konservativ) wiesen eine signifikante Assoziation mit dem Implantatüberleben auf (p=0,349 und p=0,759). Die 39 nachuntersuchten Patienten wiesen ein mittleres Follow-up von 10 Jahren (123 Monate) auf. Die Frakturfolgezustände wurden nach Boileau et al. eingeteilt: Typ 1 = 22 Patienten, Typ 2 = 2 Patienten, Typ 3 = 12 Patienten, Typ 4 = 3 Patienten. Der CMS verbesserte sich signifikant von präoperativ (im Mittel 14 Punkte, SD ± 6,8) zur langfristigen Follow-up Untersuchung (67 Punkte, SD ± 7,3; p < 0,001). Die CMS-Werte unterschieden sich nicht zwischen den Boileau-Typen: 1 = 63 Punkte; 2 = 57 Punkte; 3 = 62 Punkte; 4 = 62 Punkte. Die Flexion verbesserte sich von durchschnittlich 44° (SD ± 15,1) auf 121° (SD ± 32,2) (p>0,001) und die Abduktion von durchschnittlich 41° (SD ± 12,2) auf 114° (SD ± 29,3) (p < 0,001). Dreißig Patienten (79%) erreichten einen langfristig akzeptablen Symptomstatus (PASS).Siebzehn Patienten gaben an, langfristig „sehr zufrieden“ mit dem Eingriff zu sein, 17 waren „zufrieden“, 3 „unschlüssig und 2 Patienten „nicht zufrieden“. Der SSV betrug 66,7% (30 – 100).
Diskussion und Schlussfolgerung: RSA bei Frakturfolgezuständen des proximalen Humerus zeigen gute revisionsfreie Überlebensraten und akzeptable bis gute klinische Langzeitergebnisse bei hoher Patientenzufriedenheit nach durchschnittlich 10 Jahren. Der Klassifikationstyp nach Boileau scheint in diesem Kollektiv keinen signifikanten Einfluss auf das Implantatüberleben oder das langfristige klinische Outcome zu haben.



