Logo

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Onkochirurgische Behandlungsergebnisse und Lebensqualität nach mono- vs. multisegmentaler en bloc-Spondylektomie bei Patienten mit spinalen Tumoren

Hagen Fritzsche - Universitätszentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Dresden, Deutschland
Anne Weidlich - Universitätszentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Dresden, Deutschland
Elisabeth Mehnert - UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- & Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Dresden, Deutschland
Alexander Disch - Universitätszentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Dresden, Deutschland
Klaus-Dieter Schaser - Universitätszentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Dresden, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Für primär maligne Knochentumoren (vertebrale Sarkome/Chordome) sowie ausgewählte, benigne aggressive Läsionen und solitäre Karzinom-(CA)metastasen (MET) biolog. günstiger Entitäten stellt die extraläsionale Exzision in Form der totalen en bloc-Spondylektomie (EBS) die einzige kurative Behandlungsoption dar. Sie ermöglicht das Erreichen lok. Tumorkontrolle, erfordert aber aufwendige dorsoventrale Rekonstruktionen zur Wiederherstellung der spinalen Stabilität. Ziel war der Vergleich von Pat. mit mono- & multisegm. (mono-/multi-) EBS bezügl. Komplikationen, onkolog. Ergebnisse sowie Lebensqualität (QoL) & Funktionalität.

Material und Methoden: Von 2015–25 wurden 49 Pat. (w/m: 15/34; med. Alter 47 (15–80) J.) retrospektiv analysiert. Es erfolgte die Erfassung individ. Pat.daten und Komplikationen sowie der Lokalrezidiv- (LR) und MET-Rate inkl. Analyse des krankheitsspezifischen (DSS), MET-freien (MFS) und lokalrezidivfreien (RFS) Überlebens. QoL und Funktionalität wurden mittels EQ-5D-5L und SOSCOQ2.0 erhoben.

Ergebnisse: Histopatholog. zeigten sich Sarkome (Chondro- n=12, Osteo-/Ewing- n=6, myx. Lipo- n=3, Lipo-/Angio n=2, Fibro-/Leiomyo-/Klarzell- je n=1)/Chordome (n=34/5), solitäre CA-MET (Nierenzell- n=3; Schilddrüsen-/kolorektal/Terato/Adeno-CUP je n=1) und aggressiv benigne Tumoren (Osteoblastom/Hämangiom/Riesenzelltumor je n=1). 22/27 Pat. erhielten eine mono-/multi-EBS (2/3/4 Segmente: n=8/17/2; HWS/BWS/LWS/thorakolumbal/lumbosakral: n=4/23/16/2/4) mit einer R0-Resektion in 78%/68%. Das med. Follow-up betrug 38 (1–110) Mon. mit med. DSS von 32 (1–110) Mon. und 1/2/5J.-Überlebensrate von 93%/81%/66%. Krankheitsbed. verstarben 27% nach im Med. 18 Mon. ohne signifik. Unterschied zwischen Sarkomen/Chordomen/CA. Ein LR/MET konnte bei 10%/31% nach im Med. 13 (3–24) Mon. und 10 (3–29) Mon. nachgewiesen werden. Komplikationen traten bei 88% auf; am häufigsten Infekte/Wundheilungsstör. (29%/25%), während implantatassoziert v.a. Stabbrüche/Cagedislokationen (12%/10%) ohne Unterschied zwischen mono-/multi-EBS auftraten. Sowohl bei Pat. mit thorakalen/lumbalen vs.lumbosakralen Tumoren (p=0,049/0,002) als auch bei mono- vs. multi-EBS (p=0,023) war das RFS signifikant länger. Pat. mit mono-/multi-EBS zeigten ähnliche Funktionsscores ohne signif. Unterschiede (Abbildung 1 [Abb. 1]). Die mediane phys./psych./soz. Funktion lag bei 65%/63%/67%. Die mediane QoL betrug 68%, Pat. mit multi- (vs. mono-) EBS wiesen signif. schlechtere Werte auf (73% vs. 53%, p=0,02).

Abbildung 1

Diskussion und Schlussfolgerung: Pat. mit aggressiv benignen oder malignen Knochentumoren der Wirbelsäule profitieren unabh. der segm. Ausdehnung onkologisch hinsichtlich lok./system. Tumorkontrolle von einer EBS. Bei akzeptabler Funktionalität und QoL zeigen sich trotz des erhöhten Komplikationsrisikos keine signifik. Nachteile bei multisegm. Exzision. Die mono-/multi-EBS stellt v.a für vertebrale Sarkome/Chordome den therapeutischen Standard dar und ist aufgrund der hohen Komplexität und dem Komplikationsprofil konsequent die Aufgabe spez., interdiszipl. Tumorwirbelsäulenzentren.