Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Rapid-Sequence versus Early operative Stabilisierung schwerer Thoraxwandverletzungen: Eine Propensity-Score-gematchte Analyse aus dem TraumaRegister DGU®
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Zielsetzung und Fragestellung: Der optimale Zeitpunkt der posttraumatischen Thoraxwandrekonstruktion (Chest Wall Reconstruction, CWR) bei Schwerverletzten mit Thoraxwandinstabilität (CWI) ist weiterhin unklar. Obwohl aktuelle Leitlinien eine „frühe“ (Early) OP innerhalb von 72 h empfehlen, sind Nutzen und Sicherheit einer noch früheren „Rapid-Sequence“-Strategie am Aufnahmetag (Tag 0) bislang nicht eindeutig belegt. Ziel dieser Studie war der Vergleich einer Rapid-Sequence- gegenüber einer Early CWR.
Material und Methoden: Retrospektive Kohortenstudie des TR-DGU (2015–2023). Einschluss: primär aufgenommene Pat. ≥16 J, ISS ≥9, relevante CWI, Überleben ≥48 h, CWR, dokumentiertes OP-Datum. Einteilung: Rapid- (Tag 0) und Early-Gruppe (Tage 1–3); Delayed- (Tage 4–6) und Late-Gruppe (Tag 7+) dienten deskriptivem Vergleich. Propensity-Score-Modell (logistische Regression) für die Wahrscheinlichkeit einer CWR am Tag 0; 1:1-Matching mit einem Kaliper von 0,2 SD des Logit. Primärer Endpunkt: innerklinische Mortalität. Sek. Endpunkte: Sepsis, Multiorganversagen (MOF), Dauer invasive Beatmung, ICU- und KHverweildauer.
Ergebnisse: Es wurden 2.498 mittels CWR behandelte Fälle analysiert: Rapid n=1.168, Early n=567, Delayed n=360, Late n=385. Vor Matching wiesen Rapid höheren ISS (27,7 vs. 26,0), mehr schwere SHT, höhere Polytraumarate, häufiger NotfallOP und höhere Mortalität (8,4% vs. 4,1%) auf. Nach Propensity-Score-Matching (500 Rapid vs. 500 Early) Basischarakteristika vergleichbar, jedoch zeigten Rapid weiterhin höheren ISS (28,1 vs. 26,2), mehr schwere SHT(14,4% vs. 9,4%), höhere Polytraumarate und ungünstigere RISC-III-Prognose (16,2% vs. 10,7%). Die innerklinische Mortalität blieb auch nach Matching sign. höher (10,6% vs. 3,6%). Sepsis und MOF traten häufiger in der Rapid-Gruppe auf, ohne stat. Sign. Beatmungsdauer, ICU- und KH-verweildauer vergleichbar. In beiden Gruppen lag beobachtete Mortalität unter RISC III Progn.
Diskussion und Schlussfolgerung: In dieser großen multizentrischen Analyse war eine Rapid-Sequence-CWR am Aufnahmetag mit einer sign. höheren Mortalität assoziiert als eine CWR an Tag 1–3, trotz vergleichbarer Morbidität. Angesichts der auch nach Matching anhaltend höheren Verletzungsschwere und schlechteren prognostischen Ausgangslage in der Tag-0-Kohorte ist es wahrscheinlich, dass die erhöhte Mortalität überwiegend Confounding by Indication widerspiegelt und nicht auf einen schädlichen Effekt der unmittelbaren OP selbst zurückzuführen ist. Rapid-Sequence‑CWR kennzeichnet eine hochselektionierte, intrinsisch hochrisikobehaftete Patientengruppe, bei der CWR Teil eines komplexen notfallchirurgischen Gesamtkonzepts ist. Eine generelle Day-0-Strategie für alle Pat. mit CWI kann auf Basis dieser Daten nicht empfohlen werden. Stattdessen sollte CWR so früh wie sicher möglich innerhalb von 72 h durchgeführt werden. Eingriffe am Tag 0 sollten Pat. vorbehalten bleiben, bei denen entweder lebensbedrohliche Verletzungen eine sofortige OP erfordern oder die bei isolierter CWI durch eine direkte CWR unmittelbar deeskaliert werden können.



