Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Hohe Rate an funktionellen Defiziten und sekundären MRT-Veränderungen im ACLOAS-Score trotz MRT-morphologisch intaktem VKB und subjektiver Beschwerdefreiheit nach juveniler VKB-Rekonstruktion
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Juvenile Verletzungen des vorderen Kreuzbandes (VKB) nehmen kontinuierlich zu. Trotz hoher Return-to-sports-Rate nach juveniler VKB-Rekonstruktion zeigt sich bei hohem Kompensationspotential und fehlenden Nachbehandlungsleitlinien auch eine hohe Komplikationsrate. Ziel sind die vergleichende Analyse und Evaluation einer möglichen Diskrepanz klinischer, struktureller und funktioneller Outcome-Parameter nach juveniler VKB-Operation.
Material und Methoden: In die retrospektive Beobachtungsstudie wurden Patienten ≤14 Jahre mit VKB-Verletzung (2012–2021) eingeschlossen. Die Patienten erhielten eine Hamstringsehnenplastik oder knöcherne Ausziehnaht ohne additive periphere Stabilisierung. Von 81 möglichen Patienten wurden 48 klinisch, strukturell und funktionell nachuntersucht, bei 3 wurden nur Patient Reported Outcome Measures (PROMS) erhoben (mittleres Follow-up 6,9 Jahre). Die aktuelle Kniefunktion und PROMS wurden erfasst. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) diente der VKB-Beurteilung, Evaluation von Sekundärschäden und mit den Unfall-MRTs vergleichenden Analyse mittels Anterior Cruciate Osteoarthritis Score (ACLOAS; Roemer et al., 2014). Die Funktionsbatterie bestand aus einer Gang-/Laufanalyse und isokinetischen Kraftmessung. Korrelationsanalysen zwischen ACLOAS, Kraftdefizit und PROMS wurden durchgeführt.
Ergebnisse: 51 Patienten (Alter 13 ± 1; 10–14 Jahre) wurden nachuntersucht. 43 Patienten bekamen eine VKB-Rekonstruktion, 8 eine Ausziehnaht. Der mittlere Wert des subjektiven International Knee Documentation Committe Fragebogens (IKDC) lag bei 84.8 ± 13.3% (42.5–100; Median 87.4), des Lysholm-Scores bei 86.09 ± 13.26, der Tegner-Aktivitätsskala bei 5.14 ± 1.8. Zum Nachuntersuchungszeitpunkt hatten 33.3% eine Re-Ruptur/Transplantatversagen, 12.5% eine kontralaterale VKB-Ruptur erlitten. 62.5% wiesen sekundäre Chondropathien, 43.75% Meniskusauffälligkeiten, 52% Osteophyten im Nachbeobachtungs-MRT auf. Ein Drittel präsentierte ein nach Limb Symmetry Index (LSI) berechnetes Kraftdefizit auf der betroffenen Seite > 15%. Dies korrelierte negativ mit folgenden Parametern des ACLOAS: Zustand des VKB-Transplantats (Korrelationskoeffizient r 0,185; p 0,893) und den Subscores Menisken (r 0,348; p 0,992), Knorpelstatus (r 0,123; p 0,795), Osteophyten (r 0,428; p 0.999). Der LSI korrelierte positiv mit dem subjektiven IKDC (r 0,069; p 0,323), Lysholm-Score (r 0,148; p 0,168) und der Tegner-Aktivitätsskala (r 0,125; p 0,201).
Diskussion und Schlussfolgerung: Während hohe Re-Ruptur-Raten nach juveniler VKB-Rekonstruktion bekannt sind, zeigt das Ausmaß MRT-morphologischer Sekundärpathologien nach ACLOAS und funktioneller Defizite trotz im MRT intaktem VKB und bisheriger subjektiver Beschwerdefreiheit, dass ein alleiniger Rückschluss vom Patientenempfinden und radiologischem Befund auf die Funktionsdiagnostik nicht ausreichend ist. Daher sollten regelmäßige isokinetische Kraftmessungen im Rahmen einer jahrelangen sekundärpräventiven Nachsorge stets integraler Bestandteil der Patientenführung werden.



