Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
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Verletzung des Nervus gluteus inferior beim Kocher-Langenbeck-Zugang: Eine anatomische Kadaverstudie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Der Kocher–Langenbeck-Zugang ist ein etablierter posteriorer Zugang in der Acetabulumchirurgie. Während Verletzungen des Nervus ischiadicus gut dokumentiert sind, wird eine Läsion des Nervus gluteus inferior (NGI) klinisch häufig übersehen, obwohl sie zu Gangstörungen, Hüftextensionsschwäche und glutealen Schmerzsyndromen beitragen kann. Ziel dieser Studie war es, das Risiko einer NGI-Verletzung während des Kocher–Langenbeck-Zugangs anatomisch zu untersuchen.
Material und Methoden: An zehn frisch gefrorenen menschlichen Kadavern (20 Zugänge) wurde beidseits ein Kocher–Langenbeck-Zugang gemäß der klassischen Beschreibung durchgeführt. Nach Spaltung des Musculus gluteus maximus wurde der NGI identifiziert, sein Eintrittspunkt in den Muskel vermessen und auf Verletzungen untersucht. Zusätzlich wurden Aufzweigungen des Nervs dokumentiert.
Ergebnisse: In allen Präparaten trat der NGI unterhalb des Musculus piriformis aus dem Becken aus. Der mittlere Abstand vom kranialen Trochanterspitze bis zum Eintritt des NGI in den Musculus gluteus maximus betrug 5,4 cm (Spanne 4,0–5,9 cm). In 60% der Präparate zeigte sich eine frühe Aufzweigung des Nervs. Insgesamt wurden in 11 von 20 Zugängen (55%) Verletzungen des NGI festgestellt, davon in 40% eine Läsion des Hauptstamms während der Muskelspaltung.
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Nervus gluteus inferior liegt im unmittelbaren Operationsfeld des Kocher–Langenbeck-Zugangs und ist häufig gefährdet. Aufgrund kompensatorischer Mechanismen und postoperativer Schmerzüberlagerung werden NGI-Verletzungen klinisch oft nicht erkannt. Eine Limitierung der Spaltung des Musculus gluteus maximus auf ≤4 cm sowie eine stumpfe Muskelspaltung können das Risiko iatrogener Nervenschädigungen reduzieren.



